„Verschickungskinder“ – Einsatz sedierender Arzneimittel und Arzneimittelprüfungen

Hervorgehoben

Sylvia Wagner und Burkhard Wiebel thematisieren in ihrem Forschungsbeitrag den Einsatz sedierender Arzneimittel und Arzneimittelprüfungen bei „Verschickungskindern“ bzw. „Kurkindern“ in den 1950er bis 1970er Jahren. Unsere Vorveröffentlichung aus Heft 28 der Sozial.Geschichte Online findet sich hier zum kostenfreien Download.

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Die Instrumentalisierung der rassistischen Anschläge und Pogrome Anfang der 1990er Jahre für die faktische Abschaffung des Grundrechts auf Asyl

Vorveröffentlichung: Ronja Oltmanns: „Wer die Mißbräuche des Asylrechts nicht bekämpft, der fördert […] Ausländerfeindlichkeit.“

Ronja Oltmanns arbeitet in ihrem Artikel den kausalen Zusammenhang zwischen den rassistischen Anschlägen und Pogromen zu Beginn der 1990er Jahre und der faktischen Abschaffung des Grundrechts auf Asyl durch den Bundestag 1992/93 heraus. Ihre Topoianalyse der Bundestagsdebatten der Jahre 1985 bis 1993 untersucht, wie sich die Diskussion um das Grundrecht auf Asyl veränderte und welche Rolle die rassistischen Anschläge dabei spielten. Sie belegt, dass sowohl die Unionsparteien als auch die SPD die rassistischen Anschläge argumentativ dafür nutzten, die faktische Abschaffung des Grundrechts auf Asyl zu begründen und die dafür notwendige Zweidrittelmehrheit herzustellen.

Coesfeld und die Folgen: Arbeit und Migration in der Pandemie

Nach und nach werden weitere Branchen Gegenstand einer öffentlichen Debatte über gesellschaftliche Arbeit in Zeiten von Corona: Zuletzt etwa die Landwirtschaft, die Fleischindustrie, der Versandhandel, verursacht durch skandalöse Wohn- und Arbeitsbedingungen, vor allem für Arbeiter*innen ohne deutschen Pass. Peter Birke analysiert den aktuellen Diskurs sowie Konflikte und Kämpfe in Schlacht- und Zerlegebetrieben und anderen Hotspots prekärer Arbeits- und Lebensverhältnisse. Sein Text ist der dritte in unserer Reihe zu den Folgen der Pandemie für die Arbeitsgesellschaft, der Anfang April mit einem Beitrag der Gruppe Blauer Montag startete.

Arbeit am Notstand: Ehrenamt, Nachbarschaftshilfe, Selbstorganisation

Wolfgang Völker, Freiwilligenarbeit. Vorveröffentlichung Heft 27

In unserer Debatte um die Veränderung von Arbeitsverhältnissen in der Pandemie hinterfragt Wolfgang Völker die Gleichsetzung von Freiwilligenarbeit, Nachbarschaftshilfe und Selbstorganisation. Mit Hinweis auf Untersuchungen zur Welcome-Bewegung nach 2015 sowie zum Ehrenamt in der sozialen Arbeit kritisiert er klassengeprägte Ausgrenzung und staatliche Instrumentalisierung. In Bezug auf den Kampf um alltägliche soziale Ansprüche tritt er für die Aufrechterhaltung von Forderungen nach „universellen zivilen, politischen und sozialen Rechten“ ein. Der Text bezieht sich auf den hier veröffentlichten Aufsatz der Gruppe Blauer Montag zur Corona-Krise.

Aus aktuellem Anlass: Vom Notstand der Arbeitsgesellschaft

Gruppe Blauer Montag, Vom Notstand der Arbeitsgesellschaft [PDF]

„Plötzlich ist zuvor Undenkbares möglich: Investitionen ungekannten Ausmaßes in Krankenhäuser, ja sogar eine Aufhebung der 2009 mit Verfassungsrang versehenen Schuldenbremse. Und andererseits: eine für viele Menschen lebensbedrohliche Überlastung im Gesundheitswesen, Armut und Prekarität als Massenphänomen, Ausdehnung von Arbeitszeiten hier, Null-Stunden-Woche dort, und langfristig die Gefahr einer Verschärfung der Klassenkämpfe von oben. Weiterlesen

Rezensionsessay zu David Roussets „Das KZ-Universum“

David Rousset war mit seinem bereits 1947 veröffentlichten Bericht über die nationalsozialistischen Konzentrationslager, L’Univers concentrationnaire, Jorge Semprún zufolge „der erste, der in seinen Schriften über die Nazilager die Schwelle des Zeugnisses überschritten hatte, um ein Gesamtbild, einen globalen Versuch der Analyse zu entwickeln“. Hierzulande jahrzehntelang ignoriert, ist Roussets Buch nun erstmals auf Deutsch erschienen. Ahlrich Meyers Rezensionsessay, eine Vorveröffentlichung aus Heft 27, findet sich hier.

Vorveröffentlichung: Sergio Bologna, Der „lange Herbst“: Die italienischen Arbeitskämpfe der 1970er Jahre

Die 1970er Jahre zeichneten sich in Italien durch ausgedehnte Streiks und Proteste aus, die sich von den Großfabriken in den Dienstleistungssektor (Transport, Gesundheitswesen, öffentliche Verwaltung) ausgebreitet haben. Gegen die gängige These, bei diesen Arbeiterprotesten habe es sich um eine Vorstufe des Terrorismus gehandelt, zeigt Sergio Bologna in seinem Beitrag, dass wir es hier tatsächlich mit einem langen Prozess der Emanzipation der Arbeiter und Arbeiterinnen zu tun haben. Die Vorveröffentlichung aus unserem demnächst erscheinenden Heft 26 findet sich hier.

Continuous Rebellion in Hong Kong

The ongoing revolt in Hong Kong was and continues to be of special interest to our journal as it is part of the visible revolts occurring in 2019 in many different places of the globe. Whether these isolated hotspots in Europe, Central and South America, Asia, the Middle East, and the Maghreb are an indication of a larger groundswell of upheavals in the near future remains an open question for now. In the following, we publish the first part of an interview with Au Loong Yu conducted by email, which refers to events up to 26 November 2019. Au is a Hong Kong-based writer and activist and well connected with social movements in Hong Kong as well as abroad.

Vorveröffentlichung: Ahlrich Meyer, Wie Hannah Arendt versuchte, Karl Marx beizukommen. Bemerkungen anlässlich des Erscheinens der Arendt-Gesamtausgabe

Seit vergangenem Herbst erscheint die Kritische Gesamtausgabe der Werke Hannah Arendts. Begonnen wurde mit dem Band 6, herausgegeben von Barbara Hahn und James McFarland. Unter dem Titel „The Modern Challenge to Tradition“ enthält der zweisprachige Band Aufsätze und unveröffentlichte Vortragsmanuskripte aus den Jahren 1952 bis 1954. Sie geben Einblick in die Entwicklung des Denkens von Arendt zwischen ihren beiden Hauptwerken The Origins of Totalitarianism (1951) und The Human Condition (1958). Im Mittelpunkt steht eine Auseinandersetzung mit Karl Marx, die Arendt ursprünglich zur Ergänzung ihrer Totalitarismus-Studien begonnen hatte und die sie zu einer eingehenden Beschäftigung mit der Tradition der europäischen Philosophie ausweitete. Dem Werk von Marx wird sie allerdings kaum gerecht, da sie es auf wenige Kernsätze reduziert. Ihre Mißdeutungen lassen sich exemplarisch am Begriff der Arbeit nachweisen. Was Marx als „Stoffwechsel“ zwischen Mensch und Natur beschrieben hatte, gerät bei Arendt zur idealtypischen Figur des „animal laborans“. Dagegen erinnert Ahlrich Meyer in seinem Essay an die kritischen Elemente im Marxschen Arbeitsbegriff. Der Text findet sich hier.

Vorveröffentlichung: Gilets jaunes / Gelbwesten – eine Zwischenbilanz

Willi Hajek hat 14 Jahre in Paris und 12 Jahre in Bochum gelebt, war und ist aktiv in der deutschen wie der französischen Gewerkschaftslinken, ist Autor im Express und anderen linken deutschen Zeitschriften. Er ist seit seiner Jugend mit den sozialen Bewegungen in Frankreich eng verbunden, als Aktivist, aber auch als Verfasser von Texten zur Geschichte der deutschen und französischen Linken nach 1968. Heute lebt er in der Nähe von Marseille. Willi berichtete zuletzt auf Veranstaltungen in verschiedenen deutschen Städten, so auch in Hamburg, über die Proteste und Aufstände, die in Frankreich seit dem letzten Herbst stattgefunden haben. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um ihm einige Fragen zu stellen, die unter anderem an Texte zu den neuesten Sozialprotesten anschließen, die bislang in Sozial.Geschichte Online erschienen sind. Das Interview findet sich hier.

Vorveröffentlichung der Rezension: Felix Bohr, Die Kriegsverbrecherlobby

Das im Herbst letzten Jahres publizierte Buch von Felix Bohr, Die Kriegsverbrecherlobby. Bundesdeutsche Hilfe für im Ausland inhaftierte NS-Täter, hat seit seinem Erscheinen viel Aufmerksamkeit gefunden und wurde kontrovers diskutiert. Wir veröffentlichen vorab eine Besprechung von Ahlrich Meyer, die im nächsten Heft der Sozial.Geschichte Online erscheinen wird. Die Rezension findet sich hier.

Vorveröffentlichung: Genetische Forschung in der Konfrontation mit der NS-Anthropologie

Karl Heinz Roth stellt in unserer Vorveröffentlichung aus Heft 24 der Sozial.Geschichte Online das Lebenswerk des Genetikers und Wissenschaftshistorikers Benno Müller-Hill (1933–2018) vor. Müller-Hill setzte sich intensiv mit der Rolle der Humanwissenschaften bei der Vorbereitung, Durchführung und Verwertung der nationalsozialistischen Vernichtungspraxis auseinander. 1984 veröffentlichte er „Tödliche Wissenschaft“, eine Untersuchung über die NS-Anthropologie, die in zahlreiche Sprachen übersetzt und breit rezipiert wurde. Die Vorveröffentlichung findet sich hier.

Vorveröffentlichung: Der ‚jüdische Nigger‘ Lassalle. Marginalie zu einem Brief von Karl Marx

Wolf D. Hunds Beitrag — eine Vorveröffentlichung aus unserem Heft 24 der Sozial.Geschichte Online — behandelt einen Brief von Marx, dessen bösartige Bemerkungen häufig benutzt worden sind, um Marx als Antisemiten zu denunzieren. Demgegenüber weist Hund darauf hin, dass in diesem Brief zwei (gegen Jüdischsein und Schwarzsein gerichtete) Rassismen miteinander verbunden werden. Gleichwohl betont er, dass Marx in beiden Richtungen immer eine prinzipiell emanzipatorische Position einnahm. Der Beitrag findet sich hier.

Vorveröffentlichung: Der Zwang zur Arbeit. Verwertungslogiken in den umkämpften Regimes der Anwerbe-, Flucht- und EU-Migration

Während die Zahl der Geflüchteten weiter sinkt, geht der Durchmarsch des Rassismus in der Migrationsdebatte weiter. Dabei korrespondieren die Forderung nach hermetisch geschlossenen Grenzen, die Gleichgültigkeit gegenüber dem Sterben an den EU-Außengrenzen und in den Ländern, in die abgeschoben wird, mit der Forderung, dass Migrant_innen sich hierorts „nützlich zu machen haben“. Gemeint ist dabei, wie auch die jüngste Vorbereitung einer entsprechenden Gesetzesinitiative durch das Seehofer-Ministerium zeigt, vor allem die Annahme von Erwerbsarbeit. Weiterlesen

Vorveröffentlichung: Karl Heinz Roth, Auseinandersetzung mit dem Griechenlandhistoriker Heinz A. Richter, Teil 2

Nachdem in Heft 21 (2017) der Sozial.Geschichte Online Teil 1 von Karl Heinz Roths Auseinandersetzung mit dem Griechenlandhistoriker Heinz A. Richter erschienen ist, machen wir hier – als Vorveröffentlichung aus Heft 22 – den zweiten Teil seines Beitrags online zugänglich. Heft 22 wird noch vor Ende April 2018 erscheinen — wie bereits das letzte Heft, auch als Printausgabe.

Zu den Ereignissen während des G20-Gipfels in Hamburg

Die Debatte um die Proteste gegen den G 20-Gipfel in Hamburg hat seit dem Sommer auch in der Redaktion unserer Zeitschrift einen großen Raum eingenommen. Wir haben uns angesichts der Bedeutung dieser Debatte sowohl für die Analyse als auch für die Praxis sozialer Bewegungen zu einer gemeinsamen Stellungnahme entschlossen, die sich hier und in Ausgabe 21 unserer Zeitschrift findet.

Debatte zu Eribons „Rückkehr nach Reims“

Didier Eribons Rückkehr nach Reims hat, mehrere Jahre nach der französischsprachigen Erstveröffentlichung, 2016 für viel Wirbel in der linksliberalen deutschen Öffentlichkeit gesorgt. Die Rezeption drehte sich allerdings vorrangig um die Frage, warum viele Arbeiter_innen rechte beziehungsweise „rechtspopulistische“ Parteien wählen. Dabei wurde nicht selten eine zentrale Botschaft des Buchs – die Kritik an der Abkehr von Klassenbegriffen – geradezu ins Gegenteil verkehrt. Peter Birke rekonstruiert den Debattenverlauf – und behauptet, dass Eribons autobiographische Erzählung tatsächlich eher Anlass sein sollte, die aktuelle Verfasstheit der bundesdeutschen Klassengesellschaft als bedeutendes Thema aufzugreifen. Peter Birkes Beitrag Abheben und Verschwinden. Die Debatte zu Eribons Rückkehr nach Reims wird in Heft 21 (2017) der Sozial.Geschichte Online erscheinen – hier unsere Vorveröffentlichung.

„Flüchtlingskrise“ und autoritäre Integration

Nach dem „Sommer der Migration“ hat es verschiedene Versuche der Staaten gegeben, das europäische Grenzregime zu erneuern. Zugleich wurde – unter den Bedingungen der Austeritätspolitik – der Versuch einer Sortierung der Geflüchteten nach dem Gesichtspunkt der Verwertbarkeit ihrer Arbeitskraft unternommen. Sozial.Geschichte Online will sich den daraus entstehenden Konflikten in der kommenden Zeit systematisch und regelmäßig widmen. Zum Auftakt dieser Reihe finden sich hier zwei Texte aus Heft 20 der Zeitschrift. Die Basisdemokratische Linke Göttingen diskutiert in ihrem Beitrag Arbeit um jeden Preis die arbeitspolitischen Wirkungen des Integrationsgesetzes und betont dabei vor allem die Notwendigkeit einer praktischen Kritik an dem entstehenden workfare-Regime. Die Hamburger Gruppe Blauer Montag diskutiert in ihrem Beitrag  „Flüchtlingskrise“ und autoritäre Integration die Folgen und Perspektiven der sogenannten Flüchtlingskrise des Jahres 2015, nicht zuletzt aus der Erkenntnis heraus, dass die bundesdeutsche Linke bislang kaum Alternativen zu der sich entwickelnden „autoritären Integration“ formuliert hat.

Nachruf auf Heinrich Senfft

Am 14. Januar ist der Medienjurist und Publizist Heinrich Senfft im Alter von 88 Jahren gestorben. Er war über drei Jahrzehnte lang einer der profiliertesten Anwälte des Zivilrechts, wobei er sich auf die Konfliktzone zwischen Persönlichkeitsschutz und Pressefreiheit spezialisiert hatte. Zusätzlich veröffentlichte er seit Ende der 1980er Jahre kritische Beiträge zur NS-Vergangenheit und zur deutsch-deutschen Gegenwart. Ein Nachruf von Karl Heinz Roth