40 Jahre Solidarność

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Im Spätsommer 1980 begann, mit einer Welle von Streiks und Protesten in ganz Polen, die „erste Solidarnosc“. In Jubiläumstexten von heute wird die Gewerkschaftsgründung vor allem als Ausdruck des „Kampfes gegen die kommunistische Diktatur“ (FAZ) oder als klerikal-religiöse Bewegung gefasst. Aber was war Solidarnosc wirklich, welche unterschiedlichen Richtungen waren dort repräsentiert, was waren ihre sozialen Grundlagen? Und wie bewerten wir aus heutiger Sicht ihre utopischen Überschüsse, wie etwa die Forderung nach Selbstverwaltung? Wir meinen, dass diese Fragen eine andere und größere Aufmerksamkeit verdient hätten. Einen weiterhin sehr lesenswerten Text hierzu hat unsere Autorin Stefanie Hürtgen bereits vor zwanzig Jahren verfasst. Die Redaktion würde sich über Einreichungen zu diesem Thema für die nächste Ausgabe unserer Zeitschrift freuen.

Appell zur SOFORTIGEN EVAKUIERUNG VON MORIA

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In einer Zeit, in der 12.500 Flüchtlinge und Asylsuchende obdachlos auf den Straßen und Hügeln von Lesbos umherirren; wo die durch den Brand in Moria vergifteten und verletzten Personen von der Polizei daran gehindert werden, das Krankenhaus in Mytilene zu erreichen; wo Solidaritätsgruppe und NGOs, die die Geflüchteten mit dem Allernötigsten versorgen wollen, von Ordnungskräften blockiert oder von rechtsextremen Gruppen attackiert werden; wo die einzige Antwort der griechischen Regierung auf diesen Notstand, die Betonung der nationalen Sicherheit darstellt – in dieser Zeit können wir als europäische und Weltbürger*innen nicht länger schweigen.

Den Appel auf deutsch, auf französisch (APPEL POUR L’EVACUATION IMMEDIATE DE MORIA), auf englisch (CALL FOR THE IMMEDIATE EVACUATION OF MORIA), auf griechisch (Άμεση ΕΚΚΕΝΩΣΗ της Μόριας!), auf italienisch (APPELLO PER L’EVACUAZIONE IMMEDIATA DI MORIA) und auf spanisch (EXIGENCIA POR LA EVACUACIÓN INMEDIATA DE MORIA) weiterlesen bzw. als Pdf herunterladen und auf change.org unterschreiben.

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Arbeit 4.0 – Zur Entmystifizierung der Digitalisierung von Arbeit

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Die Debatte um Digitalisierung ist schillernd und ideologisch aufgeladen. Es ist von einer technischen Revolution die Rede, die uns vor dem Verbrennungsmotor, dem Klimawandel und allen anderen Restriktionen des fossilen Zeitalters rettet, „Arbeit 4.0“ ist aber auch Synonym für sterbende Branchen und Massenerwerbslosigkeit. Was verändert sich wirklich? Wie erleben Arbeitende „Digitalisierung“ ? Wie wandelt sich die betriebliche Organisation von Arbeitsabläufen? Und wie berühren digitale Technologien Konsum- und Kommunikationsformen, Mobilität, etc.? Die Gruppe Blauer Montag diskutiert diese Fragen am 16. September, 19 Uhr, in der Reihe arbeit global der Hamburger „Werkstatt 3“ mit dem Autor Matthias Becker. Die Gesprächsrunde findet im digitalen Raum statt. Zur Anmeldung geht es hier. Von der Gruppe Blauer Montag erschien in Sozial.Geschichte eine Analyse zu Veränderungen der Arbeitswelt in der Pandemie (Heft 27) sowie zu den Folgen des „Sommers der Migration“ (Heft 20).

Eine halbe Reform: Gesetzesentwurf der Bundesregierung zur Fleischindustrie

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Aktuell berät der Bundestag einen Gesetzesentwurf, der die Abschaffung von Werkverträgen und Leiharbeit in der Fleischindustrie vorsieht. Wiebke Claussen hat eine sehr lesenswerte Studie zur Vorgeschichte verfasst, die hier als pdf. zur Verfügung steht. Kirchen, Beratungsinstitutionen und Gewerkschaften begrüßen die mögliche Zurückdrängung prekärer Arbeitsverhältnisse, kritisieren aber Verschlechterungen wie die Verknüpfung der Laufzeit von Arbeitsverträgen und Mietverhältnissen. Wissenschaftler*innen des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen fordern angesichts informell organisierter Übergriffe eine Stärkung der Rechtsposition der Arbeiter*innen. Zu ihrer Studie ist auf Sozial.Geschichte Online erschienen: ein Text von Peter Birke über Coesfeld und die Folgen (Heft 27) als Teil unserer Reihe zu den Folgen der Pandemie in der Arbeitswelt und ein Artikel von Peter Birke und Felix Bluhm über die neue Migration zwischen Grenzregime und Erwerbsarbeit (Heft 26) als Beitrag zu unserer Reihe zu Arbeit und Migration.

Hongkongs Massenbewegung nach dem Sicherheitsgesetz. Themensendung von Radio Corax

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Seit über einem Jahr gehen Millionen Menschen in Hongkong auf die Straße, um gegen die autoritäre Einflussnahme Chinas zu demonstrieren. Dann wurde am 30.Juni 2020 das neue Sicherheitsgesetz durch die chinesische Regierung eingeführt. Die kommunistische Partei möchte damit die seit Anfang 2019 andauernden Proteste unterdrücken und seine Macht über die Sonderverwaltungszone Hongkong ausweiten. Radio Corax hat dies zum Anlass genommen für eine Sondersendung zu der Protestbewegung in Hongkong. Mit unserem Autor Ralf Ruckus warf Radio Corax eine linke und antikapitalistische Perspektive auf die Proteste in Hongkong. In Heft 27 erschien ein Interview mit Au Loong Yu zur Rebellion in Hongkong. Weitere Texte zur Situation in China und Hongkong finden sich in unserem Dossier.

A Cascade of Angers / Eine Kaskade des Zorns: John Holloway über die COVID-19-Krise

Im fünften Beitrag unserer Reihe zur COVID-19-Krise diskutiert John Holloway deren soziale und ökonomische Folgen, einschließlich der Perspektiven, die sich daraus für eine Überwindung des Kapitalismus ergeben. Der Text findet sich oben in einer Übersetzung von Lars Stubbe sowie im englischen Original. In der Reihe sind bisher erschienen: Im April ein Text der Gruppe Blauer Montag über den Notstand der Arbeitsgesellschaft sowie von Wolfgang Völker über Selbstorganisation und Nachbarschaftshilfe, im Mai Beiträge von Peter Birke zu Arbeit und Migration angesichts der Skandale von Coesfeld (bis Gütersloh) sowie ein Interview mit Lou Marin und Willy Hajek über die sozialen Kämpfe in Frankreich. Über weitere Beiträge würden wir uns freuen, siehe auch unser Call for Paper.

Sabrina Apicella, Rough Terrains: Wages as Mobilizing Factor in German and Italian Amazon Distribution Centers

Sabrina Apicella discusses the demand for equal wages for all Amazon workers across Europe, initially proposed by the activist and grassroot union network Transnational Social Strike Platform (TSS). Its main argument consists of the notion that wage equality would render Amazon’s strategic exploitation of national differences in wage levels and labor regulations futile. In this sense, a continent-wide wage hike for Amazon workers would constitute a major step forward both politically as well as socially. Based on reaserch on Amazon FCs in Italy and Germany, Apicella explores the limits of this concept, and proposes a re-definition of an agenda for a transnational campaign against Amazon.

Die sozialen Bewegungen in Frankreich in Zeiten der Pandemie. Ein Gespräch mit Willi Hajek und Lou Marin

Die COVID-19-Krise hat die sozialen Bewegungen vorläufig zum Halten gebracht, besonders auffällig in Frankreich, das in den vergangenen rund zwei Jahren nicht nur die Bewegung der Gelbwesten erlebte, sondern im Herbst und Winter 2019/20 auch den gegen die Rentenreform der Macron-Regierung gerichteten Massenstreik. Vorläufig, sicherlich, denn zugleich deuten sich mit den Protesten in den Vorstädten, den Streiks bei Amazon und in vielen Bereichen der sozialen Dienstleistungen bereits neue Konflikte an. Das hier veröffentlichte Interview mit Lou Marin und Willi Hajek ist zugleich der vierte Beitrag in unserer Reihe zu den Folgen der Pandemie für Arbeitskämpfe und soziale Bewegungen.

Coesfeld und die Folgen: Arbeit und Migration in der Pandemie

Nach und nach werden weitere Branchen Gegenstand einer öffentlichen Debatte über gesellschaftliche Arbeit in Zeiten von Corona: Zuletzt etwa die Landwirtschaft, die Fleischindustrie, der Versandhandel, verursacht durch skandalöse Wohn- und Arbeitsbedingungen, vor allem für Arbeiter*innen ohne deutschen Pass. Peter Birke analysiert den aktuellen Diskurs sowie Konflikte und Kämpfe in Schlacht- und Zerlegebetrieben und anderen Hotspots prekärer Arbeits- und Lebensverhältnisse. Sein Text ist der dritte in unserer Reihe zu den Folgen der Pandemie für die Arbeitsgesellschaft, der Anfang April mit einem Beitrag der Gruppe Blauer Montag startete.

Arbeit am Notstand: Ehrenamt, Nachbarschaftshilfe, Selbstorganisation

Wolfgang Völker, Freiwilligenarbeit. Vorveröffentlichung Heft 27

In unserer Debatte um die Veränderung von Arbeitsverhältnissen in der Pandemie hinterfragt Wolfgang Völker die Gleichsetzung von Freiwilligenarbeit, Nachbarschaftshilfe und Selbstorganisation. Mit Hinweis auf Untersuchungen zur Welcome-Bewegung nach 2015 sowie zum Ehrenamt in der sozialen Arbeit kritisiert er klassengeprägte Ausgrenzung und staatliche Instrumentalisierung. In Bezug auf den Kampf um alltägliche soziale Ansprüche tritt er für die Aufrechterhaltung von Forderungen nach „universellen zivilen, politischen und sozialen Rechten“ ein. Der Text bezieht sich auf den hier veröffentlichten Aufsatz der Gruppe Blauer Montag zur Corona-Krise.

CfP: Neue Erfahrungen und Verbindungen in der Corona-Krise

Man sollte angesichts der Corona-Krise nicht so ergebnisoffen schreiben, erklärten unsere Freund*innen von analyse & kritik im März, sondern besser über Proteste und Kämpfe, an die anzuknüpfen wäre. Mit diesem Ziel haben wir zu Beginn des Lockdown die Einschätzung der Gruppe Blauer Montag zum Notstand der Arbeitsgesellschaft veröffentlicht. Mit vielen damals offenen Fragen: Wie kann man sich auf die dort beobachteten Konflikte um gesellschaftliche Arbeit beziehen? Was bedeutete das für den Alltag, für Sorgearbeit und Kinderbetreuung, für Geschlechter- und Migrationsverhältnisse? Wie zeigt sich der Notstand auf globaler Ebene und was ist angesichts der Pandemie mit den Aufständen passiert, die im Jahre 2019 eine große Rolle gespielt haben? Angesichts der Entwicklung im Sommer 2020 freuen wir uns zudem über (auch kurze) Beiträge, die die neue, kleinräumige Bearbeitung der Pandemie sowie die Rolle des (lokalen) Staats und der daraus resultierenden sozialen Kämpfe thematisieren, wie sie zum Beispiel in Göttingen oder Gütersloh (Rheda-Wiedenbrück) sichtbar wurde.

Soforthilfe für die von der Corona-Pandemie besonders betroffenen Gesellschaften und Mitgliedsländer der Europäischen Union!

Aufruf der Initiative für ein egalitäres Europa, 6. April 2020

In Italien, Spanien und Frankreich sind mehrere zehntausend Menschen schwer am Corona-Virus erkrankt. Ihr Überleben ist von einer gut ausgestatteten Krankenhausversorgung mit ausreichenden intensivmedizinischen Einrichtungen abhängig. Das Gesundheits- und Krankenhauswesen dieser Länder wurde während und nach der Euro-Krise massiv eingeschränkt. Weiterlesen

Neues Dossier: Streiks

Um die Jahre 2010/2011 mehrten sich die Artikel über Streiks und Arbeitsproteste in der Sozial.Geschichte Online, nicht zuletzt zurückzuführen auf die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 und die unmittelbar folgende Eurokrise 2009. Viele stellten sich daraufhin die Frage, ob sich damit nicht auch ein neues Protestpotential der Arbeitenden entwickeln würde. Diese Vermutungen bestätigten sich. Es gab Streiks, in Ländern, die in besonderer Weise von der Krise betroffen waren, aber auch in denjenigen, denen es vermeintlich gelungen war, die Probleme unbeschadet zu umschiffen. Denn was sich in Griechenland, Spanien oder Portugal in Generalstreiks und Massenprotesten gegen die Sparmaßnahmen der Troika entlud, war in vielen europäischen Ländern schon weit vor der Krise als Wandel in der Arbeitswelt sichtbar und zum Problem geworden: eine stetige Prekarisierung weiter Gesellschaftsteile. Diese Entwicklung versuchte Sozial.Geschichte Online durch verschiedene Artikel abzubilden und zu diskutieren. Zum Dossier

Zu den „Klimastreiks“

Wir freuen uns über die Aktionen am Freitag, den 20. September und solidarisieren uns mit der Klimagerechtigkeitsbewegung. Zum Weiterlesen finden sich in Sozial.Geschichte Online zwei kritische Beiträge zur Autoindustrie. In Ausgabe 24 hat sich Stefan Krull mit dem Abgasskandal in der deutschen Auto- und Zuliefererindustrie befasst. Er schildert dabei die Ereignisse seit der Aufdeckung der Betrugsfälle seit September 2015, unter besonderer Berücksichtigung der Rolle der IG Metall und der betrieblichen Interessenvertretungen. In der aktuellen Ausgabe 25 diskutiert Achim Brunnengräber die Ambivalenzen der E-Mobilität und die Rolle der deutschen Autoindustrie in diesem Zusammenhang. Schließlich möchten wir noch darauf hinweisen, dass sich in der Zeitschrift Ze.tt ein Interview mit einem Mitglied unserer Redaktion zu Streikrecht und Klimastreiks findet. Viel Spaß beim Lesen und viel Erfolg beim Demonstrieren wünscht

Die Redaktion

50 Jahre Septemberstreiks

Beverly Silver verwies in ihrer Historiographie der Arbeitsunruhen im 20. Jahrhundert auf die Notwendigkeit, ein systematisiertes Verständnis für die aggregierte Bedeutung lokaler Arbeitskonflikte zu entwickeln, um die Dynamik von historischen Klassenbeziehungen überhaupt zu begreifen: Im Kern geht es ihr dabei nicht zentral um Klassenstrukturen, sondern um die Untersuchung einer stets erneuerten Klassenbildung, dabei verweisend auf eine Interpretation des Marx‘schen (und Polanyi’schen) Werks hin zu einem historischen und relationalen Klassenbegriff. Sie schlägt auf dieser Grundlage einen Begriff der „Arbeitsunruhen“ (labor unrest) vor, der organisierte, dokumentierte kollektive Aktionen von Arbeiter_innen bezeichnet, sei es am Arbeitsplatz, sei es im Rahmen von Arbeiter_innenbewegungen im öffentlichen Raum. Weiterlesen

Neues Dossier: 100 Jahre Novemberrevolution

„Auf tausend Kriege kommen keine zehn Revolutionen: So schwer ist der aufrechte Gang.“ In diesem Satz wies Ernst Bloch auf die Bedeutung von sozialen Erhebungen hin, aber auch auf die Schwierigkeiten eines Kampfs für eine Gesellschaft ohne Klassen, ohne Rassismus und ohne Sexismus. Von Zeitgenoss_innen wurde der Aufstand des Jahres 1918 oft als Niederlage gesehen, im Angesichts der Morde der Konterrevolution und des Verrats der Spitzen der Arbeiter_innenbewegung. Es blieb und bleibt ein unabgeschlossenes Ereignis, eine unvollendete Demokratisierung … Hier geht es zum Dossier

Unsere Vorfahren sind jetzt auch digitalisiert

Die heutige Zeitschrift Sozial.Geschichte Online hat bereits eine längere Vorgeschichte. Sie ist ein Nachfolgeprojekt der Zeitschrift
1999. Zeitschrift für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts, welche 1986 von der Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts (SfS) gegründet wurde. Der 1999 folgte von 2003 bis 2007 die Zeitschrift Sozial.Geschichte. Zeitschrift für historische Analyse des 20. und 21. Jahrhunderts. Diese wurde ebenfalls in gedruckter Form von der SfS herausgegeben. Ab 2009 ging die Zeitschrift zur elektronischen Form über und existiert nun seit bald 10 Jahren als Sozial.Geschichte Online (und seit kurzem zusätzlich auch wieder als Printausgabe, Sozial.Geschichte Offline). Wir freuen uns sehr darüber, dass die Stiftung für Sozialgeschichte alle Printhefte, die seit 1986 erschienen sind, digitalisieren ließ und dass diese seit kurzem kostenlos online abrufbar sind. Die digitalisierten Ausgaben der einzelnen Hefte und einige andere interessante Publikationsformate der Stiftung Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts können hier abgerufen werden.

Neues Dossier: 1968

Die Revolte der 1968er Jahre ist nunmehr schon ein halbes Jahrhundert alt. Die Erinnerung an wesentliche Ereignisse – an den „Pariser Mai“, den „heißen Herbst“ in Italien, den „Prager Frühling“ oder den Kampf gegen die Notstandsgesetze in der Bundesrepublik – bleibt gleichwohl umstritten. Viele der Debatten, die aktuell um „1968“ geführt werden, sind keineswegs neu. Das zeigt sich auch an den Schwerpunkte der Texte, die in Sozial.Geschichte bis 2009 und in Sozial.Geschichte Online seitdem erschienen sind. Weiter zum Dossier

Replik von K.H. Roth und H. Rübner auf J. Lillteichers Rezension von „Reparationsschuld“

Am 18. September 2017 veröffentlichte Jürgen Lillteicher auf der Mailingliste von H-Soz-Kult eine ressentimentgeladene Besprechung unseres Buchs zur Geschichte der Reparationsfrage nach dem Zweiten Weltkrieg. Dabei arbeitete er mit Unterstellungen und falschen Behauptungen, deren Ziel offensichtlich darin bestand, uns wissenschaftlich zu diskreditieren und das Reparationsthema aus dem öffentlichen Diskurs auszugrenzen. Daraufhin verfassten wir eine Replik. Die H-Soz-Kult-Redaktion kürzte sie fast um die Hälfte, ohne dies kenntlich zu machen. Die gekürzte Replik las sich über weite Strecken nur noch wie eine Aufzählung der falschen Behauptungen Lillteichers, ohne inhaltlich zu argumentieren. Sie wurde am 29. September auf der Mailingliste von H-Soz-Kult veröffentlicht. Gleichzeitig publizierte die Redaktion eine Erwiderung Lillteichers. In ihr ging er nicht auf die nachweislichen Falschbehauptungen ein, sondern verschärfte seine Argumente, die wir in unserer Replik zurückgewiesen hatten. Diese waren jedoch von der H-Soz-Kult-Redaktion zum Teil gestrichen worden. Im Netz gibt es keine Platzprobleme und für die Kürzungen deshalb keine nachvollziehbare Begründung. Dieses Vorgehen der H-Soz-Kult-Redaktion halten wir nicht für fair und nicht für transparent. Im Folgenden veröffentlichen wir die ungekürzte Fassung unserer Replik. Karl Heinz Roth, Hartmut Rübner

Free Deniz – Solidarität mit kritischen Journalist_innen und allen anderen Betroffenen der Repressionswelle in der Türkei

„Für meine Texte habe ich den Theodor-Wolff-Preis nie erhalten, jetzt bekomme ich ihn, indem ich hier bloß dumm rumsitze. Hätte ich das mal früher gewusst …“ Diese Worte stammen aus der Dankesrede, die Deniz Yücel anlässlich der am 21. Juni erfolgten Preisverleihung in seiner Zelle diktiert hat. Seit mehr als vier Monaten sitzt der deutsch-türkische Journalist nun in einem türkischen Gefängnis. Bislang ist keine Anklage erfolgt – die türkische Regierung wirft ihm „Terrorpropaganda“ und „Verrat“ vor. Der tatsächliche Haftgrund ist aber seine kritische Berichterstattung über die Verhältnisse in der Türkei, die sich insbesondere seit dem gescheiterten Putschversuch gegen Erdogan im letzten Jahr zunehmend zu einem repressiven System entwickelt, in dem die politische Opposition zum Schweigen gebracht werden soll. Weiterlesen