Die Verrückten und die Weisen – Reflexionen über das Ende der Präsidentschaft Trumps

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Ist Trump wirklich verschwunden? Nach dem gescheiterten Sturm auf das Kapitol fragt unser Autor Jacques Rancière nach den Abgründen der Vernunft, die die Herrschaft Trumps ermöglicht haben und verweist auf die Bedingungen eines neuen Denkens, in dem diese verrückte Form der Vernunft überwunden werden kann. Der Text ist eine Übersetzung aus dem Französischen von Lars Stubbe und eine Vorveröffentlichung zu Heft 29. Er kann hier kostenlos heruntergeladen werden.

Frankfurter Häuserkampf 1970–1974

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Das Frankfurter Archiv der Revolte, ein 2019 gegründetes Bewegungsarchiv, hat im September / Oktober 2020 die Ausstellung „Dieses Haus ist besetzt! Frankfurter Häuserkampf 1970–1974“ gezeigt. Der nun vorliegende Ausstellungskatalog dokumentiert die dort präsentierte wandzeitungsartige Zeitreise durch die urbanen Kämpfe der frühen 1970er Jahre mit Texten, zeitgenössischen Fotografien, Abbildungen von Flugblättern und Plakaten. Fotografien von Jens Gerber vermitteln zudem einen Eindruck von Aufbau und Gestaltung der Präsentation, deren künstlerische Aspekte Michaela Filla-Raquin erläutert.

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Corona-Pandemie: Gesundheitsschutz, Arbeitsverhältnisse, Pflegearbeit

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Viele der Regeln, die aktuell im „privaten“ Lebensbereich in Bezug auf Abstand und Hygiene in COVID-19-Zeiten selbstverständlich sind, gelten in der Arbeitswelt nicht. Oder besser: Sie werden faktisch selbst dort nicht beachtet, wo sie juridisch durchaus durchsetzbar wären. Wolfgang Hien diskutiert in dieser Vorveröffentlichung zu Heft 29 unserer Zeitschrift die strukturellen Ursachen dieser Beobachtung. Ein besonderes Augenmerk legt er auf die Situation in der Pflegearbeit, zu der er Ergebnisse einer eigenen empirischen Studie vorstellt, die nach dem März 2020 in Krankenhäusern und Altenheimen stattgefunden hat. Hien plädiert für eine selbstorganisierte „Gesundheitsbewegung“, die an Erfahrungen sozialer Kämpfe um Arbeitsverbesserungen aus der Vergangenheit anknüpfen müsse, wobei er unter anderem auf die italienische „Arbeiter*innenmedizin“ verweist. Der Text ist ein Beitrag in unserer Reihe zu den Folgen der Pandemie.

Neues Projekt: Jahrbuch Marxistische Gesellschaftstheorie

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Anfang 2021 wurde ein neues Zeitschriftenprojekt aus der Taufe gehoben. Es soll, schreibt die Redaktion, eine „Alternative zur akademistischen Entwicklung im Wissenschaftsbetrieb darstellen“ und zwar „in Abhebung zu marxologischen Publikationsprojekten.“ Und weiter: „Das Marxsche Denken soll nicht philologisch rekonstruiert werden, sondern den Hintergrund einer Reflexion gesellschaftlicher Entwicklungen bilden.“ Das spricht uns aus dem Herzen, wir gratulieren herzlich, wünschen viel Elan und Freude und warten gespannt auf das erste Heft. Auf der Webseite der Zeitschrift findet man einen Call for Paper. Außerdem wird um Spenden gebeten.

Podcast: #ZeroCovid. Debatte der Assoziation kritische Gesellschaftsforschung

Der Aufruf #ZeroCovid plädiert für einen konsequenten Lockdown, auch in der Arbeitswelt, sowie für eine sozial gerechte Verteilung der Konsequenzen der aktuellen Pandemie, in Bezug auf die bundesdeutsche Klassengesellschaft, aber auch im europäischen und transnationalen Maßstab. Während der Aufruf von rund 100.000 Menschen unterzeichnet und in der bürgerlichen Öffentlichkeit stark wahrgenommen wurde, gibt es auch linke Kritiker*innen. So wird gegenüber den dort formulierten politischen Positionen bspw. eine Fixierung auf staatliche Politik konstatiert: Sie könnten, so eine Position, letztlich nur „autoritär“ durchgesetzt werden. Andere befürchten, dass ohne eine soziale Mobilisierung der Aufruf ein bloßer Appell an den Staat bleiben werde, siehe etwa die Debatte in Analyse und Kritik. Grund genug, den Aufruf zu diskutieren: Den Aufschlag hierzu machte am 29.1.2021 Christian Zeller (Uni Salzburg), der einer der Initiator*innen von #ZeroCovid ist. Die Redaktion unserer Zeitschrift unterstützte diese Veranstaltung der Assoziation kritische Gesellschaftsforschung. Ein Podcast findet sich auf dem Mosaik-Blog: https://mosaik-blog.at/zerocovid-chancen-und-grenzen/. Weitere Veranstaltungen in der Reihe finden sich hier: https://akg-online.org/aktuelles/akg-online-veranstaltungen-2021-gesellschaftsforschung-zeiten-sozialer-distanzierung.

Das Dieselauto – Eine Geschichte von Illusion und Betrug

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Herbert Obenland analysiert in dieser Vorveröffentlichung zum in Kürze erscheinenden Heft 28 unserer Zeitschrift Vorgeschichte und Kontexte des sogenannten Abgasbetrugs bei Volkswagen. Dabei stellt er einen größeren Zusammenhang her: Er zeigt einerseits, wie die Verbreitung des Dieselmotors und seine technischen Spezifikationen von vornherein durch die Gewinninteressen der Automobilwirtschaft geprägt waren. Andererseits diskutiert Obenland die ökologischen Folgen des Individualverkehrs und ordnet die Geschichte des Dieselautos in diesen Zusammenhang ein. Beides verweist darauf, dass „Illusion und Betrug“ ein strukturelles, systemisches Moment haben, ein wichtiges Argument, wenn es um die Suche nach gesellschaftlichen Alternativen geht.

Die Welle als Muster. Sechs Thesen zur „antisemitischen Welle“ 1959/60

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Michael Becker, Gottfried Oy und Christoph Schneider analysieren in dieser Vorveröffentlichung zum in Kürze erscheinenden Heft 28 unserer Zeitschrift die öffentliche Debatte zur sogenannten antisemitischen „Schmierwelle“, das gehäufte anonyme Anbringen von antisemitischen Parolen an öffentlich wahrnehmbaren Orten, am Ende der 1950er Jahre. Ihr Text wirft ein Licht auf die Konstituierung einer Erinnerungspolitik, die die Verbrechen des Nationalsozialismus „amtlich“ anerkennt, während Kontinuitäten in der Jetztzeit zugleich sorgsam zum Problem einiger fehlgeleiteter Außenseiter gemacht und somit entnannt werden. Der Diskurs wird insofern als „Kristallisationspunkt sich verändernder Kräfteverhältnisse in der postnazistischen Gesellschaft“ gesehen. Der Text ist hier kostenlos zugänglich:

Alltag und soziale Kämpfe in der Pandemie

Dass Arbeit als systemrelevant bezeichnet wird, bedeutet nicht, dass sie auch gut bezahlt wird: Dies erfahren derzeit Beschäftigte in Krankenhäusern und Kitas, in der Müllabfuhr oder im Nahverkehr, die sich im Warnstreik befinden. In der Berliner Gazette hat sich unser Autor Jörg Nowak mit den Arbeitskämpfen in der Pandemie auseinandergesetzt. Er ist zudem Mitautor eines Texts im Global Labor Journal, der Herausforderungen skizziert, welche sich aktuell für eine kritisch-emanzipatorische Arbeitsforschung ergeben. Der Frage, ob der Applaus für die Held*innen der COVID-Krise noch nachhallt und wie sich Alltag und Sorgearbeit verändert haben, spürt zudem ein äußerst lesenswertes Heft des BEIGEWUM nach: Das COVID-Kaleidoskop. Die Redaktion von Sozial.Geschichte Online freut sich über Texte zu den Folgen der Pandemie für Arbeits- und Sozialverhältnisse, siehe unser Call for Paper.

40 Jahre Solidarność

Im Spätsommer 1980 begann, mit einer Welle von Streiks und Protesten in ganz Polen, die „erste Solidarność“. In Jubiläumstexten von heute wird die Gewerkschaftsgründung vor allem als Ausdruck des „Kampfes gegen die kommunistische Diktatur“ (FAZ) oder als klerikal-religiöse Bewegung gefasst. Aber was war Solidarność wirklich, welche unterschiedlichen Richtungen waren dort repräsentiert, was waren ihre sozialen Grundlagen? Und wie bewerten wir aus heutiger Sicht ihre utopischen Überschüsse, wie etwa die Forderung nach Selbstverwaltung? Wir meinen, dass diese Fragen eine andere und größere Aufmerksamkeit verdient hätten. Einen weiterhin sehr lesenswerten Text hierzu hat unsere Autorin Stefanie Hürtgen bereits vor zwanzig Jahren verfasst. Die Redaktion würde sich über Einreichungen zu diesem Thema für die nächste Ausgabe unserer Zeitschrift freuen.

Arbeit 4.0 – Zur Entmystifizierung der Digitalisierung von Arbeit

Die Debatte um Digitalisierung ist schillernd und ideologisch aufgeladen. Es ist von einer technischen Revolution die Rede, die uns vor dem Verbrennungsmotor, dem Klimawandel und allen anderen Restriktionen des fossilen Zeitalters rettet, „Arbeit 4.0“ ist aber auch Synonym für sterbende Branchen und Massenerwerbslosigkeit. Was verändert sich wirklich? Wie erleben Arbeitende „Digitalisierung“ ? Wie wandelt sich die betriebliche Organisation von Arbeitsabläufen? Und wie berühren digitale Technologien Konsum- und Kommunikationsformen, Mobilität, etc.? Die Gruppe Blauer Montag diskutiert diese Fragen am 16. September, 19 Uhr, in der Reihe arbeit global der Hamburger „Werkstatt 3“ mit dem Autor Matthias Becker. Die Gesprächsrunde findet im digitalen Raum statt. Zur Anmeldung geht es hier. Von der Gruppe Blauer Montag erschien in Sozial.Geschichte eine Analyse zu Veränderungen der Arbeitswelt in der Pandemie (Heft 27) sowie zu den Folgen des „Sommers der Migration“ (Heft 20).

Sabrina Apicella: Wages as Mobilizing Factor in German and Italian Amazon Distribution Centers

Sabrina Apicella discusses the demand for equal wages for all Amazon workers across Europe, initially proposed by the activist and grassroot union network Transnational Social Strike Platform (TSS). Its main argument consists of the notion that wage equality would render Amazon’s strategic exploitation of national differences in wage levels and labor regulations futile. In this sense, a continent-wide wage hike for Amazon workers would constitute a major step forward both politically as well as socially. Based on reaserch on Amazon FCs in Italy and Germany, Apicella explores the limits of this concept, and proposes a re-definition of an agenda for a transnational campaign against Amazon.

Pre-Release Sabrina Apicella, Rough Terrains: Wages as Mobilizing Factor in German and Italian Amazon Distribution Centers

Arbeit am Notstand: Ehrenamt, Nachbarschaftshilfe, Selbstorganisation

In unserer Debatte um die Veränderung von Arbeitsverhältnissen in der Pandemie hinterfragt Wolfgang Völker die Gleichsetzung von Freiwilligenarbeit, Nachbarschaftshilfe und Selbstorganisation. Mit Hinweis auf Untersuchungen zur Welcome-Bewegung nach 2015 sowie zum Ehrenamt in der sozialen Arbeit kritisiert er klassengeprägte Ausgrenzung und staatliche Instrumentalisierung. In Bezug auf den Kampf um alltägliche soziale Ansprüche tritt er für die Aufrechterhaltung von Forderungen nach „universellen zivilen, politischen und sozialen Rechten“ ein. Der Text bezieht sich auf den hier veröffentlichten Aufsatz der Gruppe Blauer Montag zur Corona-Krise.

Vorveröffentlichung Heft #27: Wolfgang Völker, Auf Freiwilligenarbeit ist kein Verlass, schon gar nicht im Notstand

Debatte: Notstand der Arbeitsgesellschaft und Corona-Krise

Man sollte angesichts der Corona-Krise nicht so ergebnisoffen schreiben, erklärten unsere Freund*innen von analyse & kritik im März 2020, sondern besser über Proteste und Kämpfe, an die anzuknüpfen wäre.

Mit diesem Ziel haben wir während des ersten Lockdowns im Frühjahr vergangenen Jahres die Einschätzung der Gruppe Blauer Montag zum Notstand der Arbeitsgesellschaft veröffentlicht. Mit vielen damals offenen Fragen: Wie kann man sich auf die dort beobachteten Konflikte um gesellschaftliche Arbeit beziehen? Was bedeutete das für den Alltag, für Sorgearbeit und Kinderbetreuung, für Geschlechter- und Migrationsverhältnisse? Wie zeigt sich der Notstand auf globaler Ebene und was ist angesichts der Pandemie mit den Aufständen passiert, die im Jahre 2019 eine große Rolle gespielt haben? Seitdem sind in Sozial.Geschichte Online einige Texte erschienen, die teilweise direkt auf den Beitrag der Gruppe Blauer Montag reagieren, teilweise die seitdem aufgekommenen Fragen zum Verhältnis von Pandemie und Sozialprotest reflektieren.

So erschien im Frühjahr 2020 ein Beitrag von Wolfgang Völker zu Arbeit am Notstand: Ehrenamt, Nachbarschaftshilfe, Selbstorganisation. Zur selben Zeit schrieb Peter Birke angesichts der Konflikte über Saisonarbeit in der Landwirtschaft über Coesfeld und die Folgen: Arbeit und Migration in der Pandemie. Im direkten inhaltlichen Anschluss untersuchte er im Winter 2020/21 die im sogenannten Arbeitsschutzkontrollgesetz enthaltenden Reformen in Die Fleischindustrie in der Coronakrise. Eine Studie zu Arbeit, Migration und multipler Prekarität. Unter dem unmittelbaren Eindruck der zweiten Welle und des möglicherweise dritten Lockdowns analysierte Wolfgang Hien dann Anfang 2021 Corona-Pandemie: Gesundheitsschutz, Arbeitsverhältnisse, Pflegearbeit. Fast gleichzeitig publizierte Gerhard Hanloser seine Beobachtungen zu den sogenannten Corona-Demos: „Nicht rechts, nicht links“? Ideologien und Aktionsformen der „Corona-Rebellen“.

Aus transnationaler Perspektive erschienen schließlich im Sommer 2020 ein kurzer Essay von John Holloway Corona-Krise: A Cascade of Angers / Eine Kaskade des Zorns sowie ein Interview mit Lou Marin und Willi Hajek über die Sozialen Bewegungen in Frankreich im Zeitalter der Pandemie.

Weitere Beiträge werden folgen. Die Redaktion freut sich über Einreichungen, siehe hierzu unser Call for Papers.