Hungerstreik der Sans Papiers

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Seit dem 23. Mai 2021 befinden sich in Belgien mehr als 450 Sans Papiers (Menschen ohne einen gesicherten Aufenthaltstitel) im Hungerstreik. Sie protestieren gegen ihre prekäre Lebenssituation, die sich durch die Corona-Pandemie massiv verschärft hat. Bereits im Januar 2021 schlossen sich Sans Papiers-Aktivist*innen im Kollektiv Union des Sans Papiers pour la Régularisation (Union der „Papierlosen“ für die Regularisierung) zusammen. Für ihre Forderung nach einem Bleiberecht für alle Sans Papiers konnten sie – durch eine Vielzahl an Demonstrationen und Besetzungen – einige Unterstützung in der belgischen Gesellschaft mobilisieren. Dass sie nun zum äußersten Mittel greifen, liegt an der unnachgiebig harten Haltung der belgischen Regierung, die jegliche Verhandlung und Zugeständnisse verweigert. Weiterlesen

Wilde Streiks 2.0

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Zwei Beiträge, unter anderem zu aktuellen und historischen Wildcats: Erstens, in der Zeitschrift Express rezensiert Renate Hürtgen das Buch unseres Redaktionsmitglieds Sarah Graber Majchrzak „Arbeit – Produktion – Protest. Die Leninwerft in Gdańsk und die AG »Weser« in Bremen im Vergleich (1968–1983)“. In der Ausgabe der Zeitschrift finden sich auch andere interessante historische Beiträge, u.a. zur Druckindustrie in den 1980ern. Zweitens, auf „halbzehn.FM“ – dem Podcast der Zeitschrift Jacobin – diskutiert unser Redakteur Peter Birke den aktuellen wilden Streik bei Gorillas in Berlin im Lichte der Geschichte solcher Arbeitskämpfe. Viel Spaß beim Hören und Lesen!

Rezension zu Iris Därmann, Undienlichkeit

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Die Kulturwissenschaftlerin Iris Därmann begibt sich in ihrer Essaysammlung „Undienlichkeit. Gewaltgeschichte und politische Philosophie“ auf eine Spurensuche nach Widerstandsformen und Überlebensstrategien gegenüber kolonial- und vernichtungspolitischer Gewalt. Ahlrich Meyer unterzieht Därmanns Buch einer kritischen Würdigung und ordnete ihre Überlegungen – ähnlich seiner jüngst vorveröffentlichten Rezension von Michael Rothbergs „Multidirektionale Erinnerung“ – in die gegenwärtige Diskussion über eine Neuausrichtung der Erinnerungspolitik ein. Unsere Vorveröffentlichung aus Heft 30 findet sich hier.

Heft 29 ist erschienen

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Das neue Heft der Sozial.Geschichte Online ist auf den Seiten von DuEPublico als PDF veröffentlicht und kann dort kostenlos heruntergeladen werden. Ein Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe liegt auf historischen wie aktuellen Arbeiter/innenprotesten, wie sie sich auch unter vergleichsweise sehr „widrigen“ Bedingungen entfalten können. Der Beitrag unserer Redakteurin Sarah Graber Majchrzak widmet sich dem nahezu in Vergessenheit geratenen Aufstand polnischer Werftarbeiter/innen im Dezember 1970. Peter Birke zeigt in seiner Studie auf, welche Rolle migrantische Proteste in der deutschen Fleischindustrie für das Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit spielten. Wie es den Beschäftigten des aus der Universitätsmedizin Göttingen outgesourcten Tochterunternehmens „Klinikservice“ gelang, kollektiv handlungsfähig zu werden und einen Haustarifvertrag zu erkämpfen, zeigt Hauke Harden in seinem Artikel auf.

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Rezension zu Rothberg, Multidirektionale Erinnerung

Der Literaturwissenschaftler Michael Rothberg hat mit Multidirektionale Erinnerung eine Untersuchung über die Entstehung des Holocaustgedenkens im Zeitalter der Dekolonisierung vorgelegt, die hierzulande teils heftige Polemiken ausgelöst hat. Ahlrich Meyer diskutiert Vorzüge und Schwächen des Buches und geht auch auf die aktuelle Diskussion um ‚Erinnerungskultur‘ und ‚Opferkonkurrenz‘ ein. Unsere Vorveröffentlichung aus Heft 30 findet sich hier.

Offener Brief: Entschädigungszahlungen an mosambikanische Vertragsarbeiter*innen

Über 17.000 Menschen aus Mosambik kamen zwischen 1979 und 1989 zum Arbeiten in die DDR. Nach dem Mauerfall mussten die meisten von ihnen das Land überstürzt verlassen. Seit mehr als 30 Jahren fordern sie die Auszahlung der ihnen zustehenden in der DDR einbehaltenen Lohnanteile, Rentenansprüche und sonstigen Sozialleistungen. Ein offener Brief an die Bundesregierung unterstützt dies und kann hier unterschrieben werden: https://bit.ly/2RoflPf.

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Deutsche Reparationsschuld – 80 Jahre nach dem Überfall der Wehrmacht auf Griechenland

Am 6. April vor 80 Jahren begann der Angriff Deutschlands auf Griechenland. Mehr als drei Jahre hielten deutsche Soldaten das Land besetzt, plünderten es aus und zerstörten es bei ihrem Abzug. Den Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung fielen zehntausende Kinder, Frauen und Männer zum Opfer, Hunderttausende verhungerten. Nahezu alle griechischen Juden wurden deportiert und ermordet. Der 6. August 1941 ist ein in Deutschland vergessenes Datum des Zweiten Weltkriegs.

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Kniefall ohne Aufstand. Erinnerungen an den Dezember 1970 in der Volksrepublik Polen

Während der fünfzigste Jahrestag des „Kniefalls von Willy Brandt“ und der Unterzeichnung des Warschauer Vertrags in bundesdeutschen Printmedien, Radio und Fernsehen eine breite Öffentlichkeit fand, scheint der Aufstand der Werftarbeiter:innen vergessen. Unsere Redakteurin Sarah Graber Majchrzak zeigt den unmittelbaren Zusammenhang beider Ereignisse und diskutiert die Bedeutung, die den Protesten der Arbeiter:innen im Dezember 1970 für die Entstehung der Solidarność und darüber hinaus zukommt. Unsere Vorveröffentlichung aus Heft 29 der Sozial.Geschichte Online findet sich hier zum kostenfreien Download.

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Die Verrückten und die Weisen – Reflexionen über das Ende der Präsidentschaft Trumps

Ist Trump wirklich verschwunden? Nach dem gescheiterten Sturm auf das Kapitol fragt unser Autor Jacques Rancière nach den Abgründen der Vernunft, die die Herrschaft Trumps ermöglicht haben und verweist auf die Bedingungen eines neuen Denkens, in dem diese verrückte Form der Vernunft überwunden werden kann. Der Text ist eine Übersetzung aus dem Französischen von Lars Stubbe und eine Vorveröffentlichung zu Heft 29. Er kann hier kostenlos heruntergeladen werden.

Frankfurter Häuserkampf 1970–1974

Das Frankfurter Archiv der Revolte, ein 2019 gegründetes Bewegungsarchiv, hat im September / Oktober 2020 die Ausstellung „Dieses Haus ist besetzt! Frankfurter Häuserkampf 1970–1974“ gezeigt. Der nun vorliegende Ausstellungskatalog dokumentiert die dort präsentierte wandzeitungsartige Zeitreise durch die urbanen Kämpfe der frühen 1970er Jahre mit Texten, zeitgenössischen Fotografien, Abbildungen von Flugblättern und Plakaten. Fotografien von Jens Gerber vermitteln zudem einen Eindruck von Aufbau und Gestaltung der Präsentation, deren künstlerische Aspekte Michaela Filla-Raquin erläutert.

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„Nicht rechts, nicht links“? Ideologien und Aktionsformen der „Corona-Rebellen“

Gerhard Hanloser diskutiert in dieser Vorveröffentlichung zu Heft 29 das Phänomen der „Corona-Rebellen“ auf der Grundlage von deren Veröffentlichungen sowie von Beobachtungen auf Demonstrationen. Er analysiert diese Protestbewegung in drei Kategorien: politische Ideenwelt, beobachtbarer Habitus und unbewusste Motive. Mit einem Rückgriff auf die kritische Sozialpsychologie skizziert er die regressiven Triebkräfte der Proteste. Unsere Vorveröffentlichung aus Heft 29 der Sozial.Geschichte Online findet sich hier zum kostenfreien Download.

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Corona-Pandemie: Gesundheitsschutz, Arbeitsverhältnisse, Pflegearbeit

Viele Regeln, die im „privaten“ Lebensbereich in Bezug auf Abstand und Hygiene in COVID-19-Zeiten selbstverständlich sind, gelten in der Arbeitswelt nicht. Wolfgang Hien diskutiert in dieser Vorveröffentlichung zu Heft 29 unserer Zeitschrift die Ursachen dieser Beobachtung. Dabei stellt er Ergebnisse einer eigenen empirischen Studie vor, die nach dem März 2020 in Krankenhäusern und Altenheimen stattgefunden hat. Er plädiert für eine selbstorganisierte „Gesundheitsbewegung“, die an Erfahrungen sozialer Kämpfe um Arbeitsverbesserungen aus der Vergangenheit anknüpfen müsse. Der Text findet sich hier: sgo_29_vorveroeffentlichung_hien_covid_arbeitsschutz_pflege.

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Die Fleischindustrie in der Coronakrise. Eine Studie zu Arbeit, Migration und multipler Prekarität

Peter Birke untersucht in dieser Vorveröffentlichung zu Heft 29 die Corona-Krise in der deutschen Fleischindustrie. Die Studie zeigt, welche Rolle migrantische Proteste für das Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit spielten. Am Ende wird nach der Reichweite dieses Verbots gefragt, angesichts „multipler Prekarität“ von Migrant*innen sowie der Logik von Profitmaximierung und Massenschlachtung. Der Text findet sich zum kostenlosen Download hier birke-fleischindustrie-vorveroeffentlichung-heft-28-pdf.

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Neues Projekt: Jahrbuch Marxistische Gesellschaftstheorie

Anfang 2021 wurde ein neues Zeitschriftenprojekt aus der Taufe gehoben. Es soll, schreibt die Redaktion, eine „Alternative zur akademistischen Entwicklung im Wissenschaftsbetrieb darstellen“ und zwar „in Abhebung zu marxologischen Publikationsprojekten.“ Und weiter: „Das Marxsche Denken soll nicht philologisch rekonstruiert werden, sondern den Hintergrund einer Reflexion gesellschaftlicher Entwicklungen bilden.“ Das spricht uns aus dem Herzen, wir gratulieren herzlich, wünschen viel Elan und Freude und warten gespannt auf das erste Heft. Auf der Webseite der Zeitschrift findet man einen Call for Paper. Außerdem wird um Spenden gebeten.

Podcast: #ZeroCovid. Debatte der Assoziation kritische Gesellschaftsforschung

Am 29.1.2021 diskutierte Christian Zeller auf einer Veranstaltung der Assoziation Kritische Gesellschaftsforschung den Aufruf #ZeroCovid, der für einen konsequenten Lockdown, auch in der Arbeitswelt, sowie für eine sozial gerechte Verteilung der Konsequenzen der aktuellen Pandemie eintritt. Ein Podcast der kontroversen Debatte findet sich hier: https://mosaik-blog.at/zerocovid-chancen-und-grenzen/.

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Heft 28 ist erschienen

Das neue Heft der Sozial.Geschichte Online ist auf den Seiten von DuEPublico als PDF veröffentlicht und kann dort kostenlos heruntergeladen werden. Es enthält einen Beitrag von Simon Schaupp, der Alternativen zur „Austeritätsökologie“ diskutiert, d.h. die Verbindung sozialer Gleichheit und ökologischer Politik. Thomas Gehring analysiert die Aktualität der Organisationsdebatte im Sozialistischen Büro, das zwischen seiner Gründung 1969 und Ende der 1990er Jahre immer wieder Parteiform, Rätedemokratie und die Konzeptionen sozialer Bewegungen diskutierte. Außerdem findet sich ein Text über Arzneimittelforschungen an „Verschickungskindern“ (Sylvia Wagner und Burkhard Wiebel), eine (kritische) Geschichte des Dieselautos (Herbert Obenland) sowie ein Essay über die „antisemitische Welle“ von 1959/60 (Michael Becker, Gottfried Oy und Christoph Schneider). Hier geht es zum → Editorial und zum → Inhaltsverzeichnis.

Das Dieselauto – Eine Geschichte von Illusion und Betrug

Herbert Obenland analysiert in dieser Vorveröffentlichung zu Heft 28 unserer Zeitschrift Vorgeschichte und Kontexte des sogenannten Abgasbetrugs bei Volkswagen. Er analysiert die Verbreitung des Dieselmotors und die damit verbundenen Gewinninteressen der Automobilwirtschaft sowie die ökologischen Folgen des Individualverkehrs. Er zeigt, dass „Illusion und Betrug“ ein strukturelles, systemisches Moment haben, ein wichtiges Argument, wenn es um die Suche nach gesellschaftlichen Alternativen geht. Der Text findet sich hier: obenland_dieselauto_sgo_28_vorveroeffentlichung.

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Die Welle als Muster. Sechs Thesen zur „antisemitischen Welle“ 1959/60

Michael Becker, Gottfried Oy und Christoph Schneider analysieren in dieser Vorveröffentlichung zu Heft 28 die Debatte zur sogenannten antisemitischen „Schmierwelle“, das gehäufte anonyme Anbringen von antisemitischen Parolen an öffentlich wahrnehmbaren Orten, am Ende der 1950er Jahre. Ihr Text wirft ein Licht auf die Konstituierung einer Erinnerungspolitik, die die Verbrechen des Nationalsozialismus „amtlich“ anerkennt, während Kontinuitäten in der Jetztzeit zugleich zum Problem fehlgeleiteter Außenseiter gemacht und somit entnannt werden. Der Diskurs wird als „Kristallisationspunkt sich verändernder Kräfteverhältnisse in der postnazistischen Gesellschaft“ gesehen. Der Text findet sich hier: becker_oy_schneider_schmierwelle_vorveroeffentlichung_sgo_28. .

Prekäre Beschäftigung in der Fleischindustrie abschaffen!

In einem offenen Brief an die Regierungsfraktionen im Deutschen Bundestag haben am 6. November 142 Aktivist*innen und Akademiker*innen gegen den Versuch aus der CDU/CSU protestiert, weiterhin Leiharbeit in der Fleischindustrie möglich zu machen. Am 29. Oktober war deshalb der Gesetzesentwurf, der die Abschaffung von Werkverträgen und Leiharbeit in der Fleischindustrie vorsieht, von der Tagesordnung genommen worden. Zum aktuellen Stand der Auseinandersetzung berichtet der Express in seiner neuesten Ausgabe: Der Text unseres Redakteurs Peter Birke findet sich hier.

Podcast: Sam Dolgoff und die US-Arbeiter*innenbewegung

Sam Dolgoff (1902–1990), Malerarbeiter, war Mitglied der Industrial Workers of the World (IWW), auch Wobblies genannt, von den frühen 1920er-Jahren bis zu seinem Tod. Zusammen mit seiner Ehefrau, Esther Dolgoff, stand er im Zentrum des US-Anarchismus. Ihr Sohn, Anatole Dolgoff (geb. 1937), zeichnet in einem im GWR-Verlag erschienenen Buch nicht nur Sam Dolgoffs Leben nach, sondern schreibt gleichzeitig eine Geschichte der radikalen Arbeiter*innenbewegung in den USA des 20. Jahrhunderts. Er erzählt von der Macht der Nachbarschafts-Solidarität unter den Arbeiter*innen in New York, aber auch von Konkurrenz und Spaltung. Eine Aufnahme der Buchvorstellung mit Lou Marin (Verlag GWR) in Zürich im Rahmen einer auch von Sozial.Geschichte Online unterstützten Lesereise findet sich hier. Sozial.Geschichte Online # 19 enthielt ein Interview mit dem Historiker Peter Cole über die Geschichte der IWW.