Online-Ausstellung „ ITALIENISCHE ARBEITSKRÄFTE IM REICH“

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Die Online-Ausstellung „ ITALIENISCHE ARBEITSKRÄFTE IM REICH“ rekonstruiert die höchst unterschiedlichen Geschichten der 1,2 Millionen Männer und Frauen, die zwischen 1938 und 1945 in NS-Deutschland als Arbeitskräfte für die Kriegswirtschaft eingesetzt wurden. Die komplexen Rahmen- und konkreten Einsatzbedingungen der italienischen Arbeitskräfte im Deutschen Reich sind Gegenstand jahrelanger Arbeit der Forschungsgruppe ANRP, die in dieser Ausstellung und im Rahmen der von Sozial.Geschichte Online unterstützten Tagung „Italienische Arbeitskräfte für die deutsche Kriegswirtschaft 1938–1945“ präsentiert werden. Die Ausstellung ist ab sofort frei zugänglich unter https://italienischearbeitskraefteimreich.eu/.

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Vorveröffentlichung: Ralf Hoffrogge, Sozialpartnerschaft mit kurzer Tradition

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Deutschland gilt als Modellfall für Sozialpartnerschaft und Korporatismus oder, in der Typologie der Varieties of Capitalism, als koordinierte Marktwirtschaft, Großbritannien dagegen als Modell für eine voluntaristische Form der Arbeitsbeziehungen. Ralf Hoffrogge hinterfragt diese Annahmen in einer Vorveröffentlichung zu Heft 34 unserer Zeitschrift: Sein Text „Sozialpartnerschaft mit kurzer Tradition. Korporatismus, Voluntarismus und die ‚Varianten des Kapitalismus'“ basiert auf einem Vergleich der Industriegewerkschaft Metall und der Amalgamated Engineering Union. Hoffrogge arbeitet heraus, dass beide Gewerkschaften über einen langen Zeitraum fast identische Antworten auf dieselben globalen Herausforderungen fanden. Die Aufspaltung zweier nationaler Systeme der Arbeitsbeziehungen setzt er nicht, wie andere Studien, bereits vor 1918 an, sondern erst spät: Zwischen 1973 und 1979 verloren die britischen Gewerkschaften jede Hoffnung auf ein korporatistisches Arrangement, während der deutsche Korporatismus mit eingeschränktem Handlungsspielraum für Gewerkschaften überlebte. Hier geht es zum Text:

Italienische Arbeitskräfte für die deutsche Kriegswirtschaft 1938–1945

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Sozial.Geschichte Online unterstützt die Tagung „Italienische Arbeitskräfte für die deutsche Kriegswirtschaft 1938–1945“, die vom 1. bis 3. Dezember 2022 an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz stattfindet und auf der auch unser Autor Karl Heinz Roth spricht. Vorgestellt wird die jahrelange Arbeit der Forschungsgruppe „Associazione Nazionale Reduci dalla Prigionia, dall’Internamento, dalla Guerra di Liberazione e loro familiari“ (ANRP) zu den Rekrutierungs- und Einsatzbedingungen der italienischen Arbeitskräfte im Deutschen Reich. Zum Programm bitte hier klicken. Die Veranstaltung findet hybrid statt, eine Teilnahme ist vor Ort oder online möglich. Anmeldungen bitte an: Freia Anders, anders@uni-mainz.de.

Karmína on “The Tragedy of the Ukrainian Working Class”

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How have social-economic conditions in Ukraine developed since the 1990s? What role has the labor movement played? How and with what goals have labor struggles been waged? And what is currently changing as a result of the war? An interview with the Karmína collective, which recently published an in-depth analysis on these issues. /// Wie haben sich die sozial-ökonomischen Verhältnisse in der Ukraine seit den 1990er Jahren entwickelt? Welche Rolle spielte die Arbeiter:innenbewegung? Wie und mit welchen Zielen wurden Arbeitskämpfe geführt? Und was verändert der Krieg? Peter Birke führte ein Interview mit dem Karmína-Kollektiv, das kürzlich einen ausführlichen Text zu diesen Fragen veröffentlicht hat, der jetzt auch in deutscher Sprache erschienen ist. Unsere Vorveröffentlichung zu Heft 34 ist der erste in einer Reihe von Texten, die sich mit der Wahrnehmung des Krieges gegen die Ukraine „von unten“ befassen, siehe das Editorial unserer aktuellen Ausgabe. Das von Peter Birke geführte Gespräch erscheint in Kürze auch in deutscher Sprache. Click here to download the interview / Unsere Vorveröffentlichung aus Heft 34 findet sich hier.

Für die feministische Revolution im Iran!

Die Redaktion von Sozial.Geschichte Online unterstützt die Solidarität für die Aufstände im Iran, wie sie sich neben zahlreichen Demonstrationen in der Bundesrepublik und vielen anderen Ländern auch in einer Petition von Wissenschaftler:innen finden: „On 16 September, Mahsa (Zhina) Amini, a 22-year-old Kurdish-Iranian woman, was brutally murdered by the morality police of the Islamic Republic of Iran. She was beaten several times on the head after her arrest for wearing so-called ‘improper’ hijab. This was among many other state murders committed systemically and purposefully by the gender-apartheid regime of Iran. Since this state murder, people have been protesting in many cities in Iran. This country-wide revolt is against not only the brutal murder of Mahsa but also the essence of the Islamic regime. The demand is loud and clear: an end to a theocratic regime whose multi-faceted violence against marginalized bodies is manifested in Mahsa’s death. In the face of terror and repression, we are witnessing a feminist revolution in Iran ignited by rage at the murder of Mahsa (Zhina) Amini.“ Zum vollständigen Text.

Willi Hajek ist verstorben

Die Redaktion von Sozial.Geschichte Online trauert um unseren Genossen, Autoren und Freund Willi Hajek, der am 3. Oktober 2022 im Alter von 76 Jahren in der Nähe von Marseille verstorben ist, wo er seit einigen Jahren gelebt hat. Willi war einer der wichtigsten Netzwerker der bundesdeutschen Gewerkschaftslinken, Aktivist der „Gegenwehr ohne Grenzen“ (GOG) bei Opel in Bochum, aber auch der Gewerkschaft SUD in Frankreich, ein Vermittler zwischen sozialen Bewegungen und Kämpfen in Frankreich und Deutschland. In Sozial.Geschichte Online hat Willi zuletzt in einem ausführlichen Interview über die „Gelbwesten“ in Frankreich berichtet, außerdem sprach er, gemeinsam mit Lou Marin, über die Situation der Sozialproteste in Frankreich während der Pandemie. Wir vermissen Willis Offenheit, seine Herzlichkeit und seinen unerschütterlichen Optimismus. Ein ausführlicher Nachruf wird in Heft 34 unserer Zeitschrift erscheinen.

In Brasilien: Lula oder Bolsonaro?

Bei unseren Freund:innen vom labournet berichtet unser Autor Jörg Nowak, der in Brasilia lebt und arbeitet, seit einigen Wochen regelmäßig aus dem Vorwahl-Brasilien. Wir können unseren Leser:innen seine kurzen, prägnanten Analysestücke nur sehr empfehlen. Aus der sechsten Ausgabe: „Es sind nun weniger als drei Wochen bis zu den Präsidentschaftswahlen in Brasilien am 2. Oktober, wahrscheinlich eine der wichtigsten Wahlen dieses Jahres. Der ehemalige Präsident Lula Inácio da Silva (Arbeiterpartei/PT) von der gemäßigten Linken führt mit Umfragewerten zwischen 40 und 45 Prozent im ersten Wahlgang, der rechtsextreme Amtsinhaber Jair Bolsonaro (Liberale Partei, PL) liegt mit 30 bis 35 Prozent der Stimmen dahinter. (…) Die größte Frage, die in der Luft liegt, ist, ob Bolsonaro eine Niederlage an der Wahlurne akzeptieren wird. Die Erwartung, dass Bolsonaro am Unabhängigkeitstag, dem 7. September, einen Putschversuch starten würde, hat sich nicht erfüllt (…).“

Heft 32 ist erschienen

Das neue Heft von Sozial.Geschichte Online ist erschienen und steht wie immer auf dem Server der Universität Duisburg-Essen zum kostenlosen Download bereit. Im Editorial stellen wir unsere Gedanken und einige offene Fragen zum andauernden Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine zur Diskussion und freuen uns über Beiträge hierzu. Die Rubrik Forschung beinhaltet den zweiten und dritten von insgesamt drei Teilen des Forschungsbeitrags unseres Redakteurs Hartmut Rübner über die Geschichte der Gestapo. In unserer neu eingeführten Rubrik Dokument veröffentlichen wir ein Sitzungsprotokoll der Pariser Kommune, das Anouk Colombani in ihrem (zuerst in der Theoriezeitschrift Les Utopiques erschienenen) Artikel genauer in den Blick nimmt. In der Rubrik Diskussion setzt sich Gerhard Hanloser mit dem Buch von Klaus Holz und Thomas Haury Antisemitismus gegen Israel auseinander. Das neue Heft enthält zudem weitere interessante Rezensionen, unter anderem von Wolfgang Hien über den von Mark Richter und anderen herausgegebenen Sammelband Spuren der Arbeit. Zum Editorial bitte Weiterlesen

Petition zur Aufarbeitung der Gewalt an „Verschickungskindern“

Seit Jahren kämpfen ehemalige „Verschickungskinder“ um die Anerkennung und Aufarbeitung der Gewalt, der sie zwischen den 1950er und 1980er Jahren in vermeintlichen „Erholungsheimen“ und „Heilstätten“ ausgesetzt waren. Diese Gewalt traf nicht nur einige Wenige, sondern sie hatte System. Ausgeübt wurde sie oftmals von Ärzt*innen oder Pädagog*innen, die sich bereits während des Nationalsozialismus an Kindern vergingen. Über den Umfang und die Formen des Missbrauchs haben unsere Autor*innen Sylvia Wagner und Burkhard Wiebel in Heft 28 sowie Anja Röhl in Heft 31 berichtet. Die Bundesregierung verweigert die Aufarbeitung und lehnt jegliche Verantwortung für dieses Unrecht ab. Wir unterstützen die Petition von Anja Röhl auf change.org, die sie aus Protest gegen diese Ignoranz gestartet hat.

Bundesfamilienministerium verweigert Aufarbeitung der Kinderverschickung

Nach jahrelanger Vorbereitung fand am 7. Juli 2022 ein Gespräch der Initiative Verschickungskinder, der unsere Autorin Anja Röhl angehört, mit der Bundesregierung statt. Drei Bundesministerien (für Familie, für Gesundheit, für Arbeit und Soziales) und die Rentenversicherung waren hieran beteiligt. Die Verhandlung endete mit ernüchternden Ergebnissen: Keine Unterstützung für die Initiative Verschickungskinder sowie den Verein Aufarbeitung und Erforschung von Kinder-Verschickungen e. V., keine weiteren Gespräche zu den Forderungen der Initiative, keine Übernahme von Bundesverantwortlichkeit.

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Antirassismus und Gewerkschaften in den USA – früher und heute

Der Historiker und SGO-Autor Peter Cole stellt das Buch „Ben Fletcher: The Life and Times of a Black Wobbly“ in Göttingen vor und spricht über aktuelle Entwicklungen in der Arbeiter:innenbewegung in den USA. Die Veranstaltung findet am Donnerstag, den 7. Juli um 19 Uhr in der Oberen-Masch-Str. 10 (OM 10) in Göttingen statt. Veranstalter:innen sind die FAU Göttingen und die Redaktion von Sozial.Geschichte Online. Ein Interview mit Peter Cole zu seiner Arbeit über die „International Workers of the World“ findet sich in Heft 19 unserer Zeitschrift und als Link hier.

More Information in English:

Karl Heinz Roth zum 80. Geburtstag

Karl Heinz Roth feiert heute seinen 80. Geburtstag – wir gratulieren ihm von Herzen! Sein Engagement und seine solidarische Verbundenheit als Mitbegründer und Autor unserer Zeitschrift, als gesellschaftskritischer Historiker und Aktivist sowie als Freund waren und bleiben uns Ansporn und Inspiration für einen klaren Blick und das weitere gemeinsame Kämpfen um emanzipatorische Alternativen. Mit einem im Sommer erscheinenden Sonderheft wollen wir Karlo und seine Arbeit würdigen. Ein Geburtstagsgruß von Rüdiger Hachtmann ist auf der Homepage der RLS nachzulesen.

Heft 31 ist erschienen

Das neue Heft von Sozial.Geschichte Online ist erschienen und steht wie immer kostenlos auf dem Portal der Universität Duisburg-Essen zum Download bereit. In der Rubrik Forschung veröffentlichen wir den ersten von insgesamt drei Teilen eines Beitrags unseres Redakteurs Hartmut Rübner über die Geschichte der Gestapo, einen Artikel Anja Röhls über Kindesmisshandlungen im Rahmen der „Heimverschickung“ sowie einen Bericht von Holger Artus über Italienische Militärinternierte in Hamburg. Mit Beiträgen Sergio Bolognas zur aktuellen Logistikkrise und zu den Impfverweigerungsbewegungen, Karl Heinz Roths Überblick über innere Dynamiken in der weltweiten Arbeiterklasse und der Besprechung unseres Redakteurs Max Henninger von Roths Buch „Blinde Passagiere“ liegt auch im Heft 31 einer der Schwerpunkte auf der Corona-Krise und ihren Auswirkungen. Das neue Heft enthält zudem weitere interessante Rezensionen, unter anderem von Jan de Graaf über das Buch unserer Redakteurin Sarah Graber Majchrzak „Arbeit – Produktion – Protest“. Zum Inhaltsverzeichnis gehts hier. Zum Editiorial bitte Weiterlesen

Anja Röhl: Kindererholungsheime als Forschungsgegenstand

Zwischen den 1950er und 1980er Jahren wurden in der Bundesrepublik etliche Millionen Kinder ohne ihre Eltern für Wochen zur vermeintlichen „Erholung“ in Heime und Heilstätten geschickt. Die in diesem Rahmen verübte systematische Gewalt an Kindern wurde jahrzehntelang ignoriert. In den letzten Jahren haben sich ehemalige „Verschickungskinder“, wie sie sich selbst nennen, begonnen zu organisieren und ihre Erfahrungen öffentlich zu machen. Anja Röhl nimmt in ihrem Forschungsbeitrag über Kindesmisshandlungen im Rahmen der „Heimverschickung“ einen bislang wenig beleuchteten Aspekt in den Blick, indem sie der Frage nachgeht, welche Rolle damalige Erwachsene als Zeitzeug*innen spielen. Unsere Vorveröffentlichung aus Heft 31 der Sozial.Geschichte Online findet sich hier zum kostenfreien Download. Am 14. Mai 2022 findet im Hamburger Thalia Theater die Premiere des Stücks „HEIM|WEH. Kinderkuren in Deutschland“ statt, das u. a. auf Anja Röhls Forschungen aufbaut. Weiterlesen

Manifest gegen den Krieg / Manifesto against the war / Manifeste contre la guerre

Wir unterstützen das Manifest gegen den Krieg, zu deren Erstunterzeichnern unter anderem unsere Autoren Sergio Bologna, Rüdiger Hachtmann und Karl Heinz Roth zählen. Aufgezeigt werden hierin die vielfältigen Ursachen für den Aggressionskrieg Russlands gegen die Ukraine und für die gegenwärtige Gefahr einer Ausweitung zu einem europäischen Großkrieg, in dem selbst der Einsatz nuklearer Waffen nicht mehr auszuschließen ist. Aktivist*innen sozialer Bewegungen, Arbeiter*innen, Wissenschaftler*innen und Kulturschaffende aller Länder sind aufgerufen, sich zu einem breiten antimilitaristischen Widerstand zusammenzuschließen. Zum Lesen und Unterzeichnen des Manifests gegen den Krieg bitte „Weiterlesen“ klicken / To read and sign the Manifesto against the war in arabic, english, french, italien, polish, russian, spanish and ukrainian please click „Weiterlesen“. Weiterlesen

Nein zum Krieg heißt Solidarität mit Desertierenden

„Wir sind in diesen Tagen ebenso wütend wie frustriert. Wir haben keine fertigen Antworten. Doch wir wissen, dass wir die diversen Kämpfe sozialer Bewegungen nicht der Logik und den vermeintlichen Sachzwängen des Krieges opfern dürfen. Gerade in Zeiten wie diesen müssen wir die Basis emanzipatorischer, sozialer Bewegungen weiterentwickeln!“

Die Redaktion der Sozial.Geschichte Online unterstützt den Aufruf des Café Libertad Kollektivs, das gemeinsam mit dem Fanprojekt St. Pauli Roar einen Fördertopf zur Soforthilfe für Deserteur*innen aller Seiten eingerichtet hat.

Außerdem empfehlen wir die Textsammlung und die Initiativen von Connection e.V., eine Initiative, die sich seit vielen Jahren für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure auf allen Seiten einsetzt. Weiterlesen

Protest in the Vietnam War Era

Soeben ist der Band „Protest in the Vietnam War Era“ erschienen, an dem unsere Redakteurin Freia Anders mitgearbeitet hat. Ein digitaler Book Launch findet (in englischer Sprache) am 23. Februar 2022 um 20 Uhr via MS Teams statt. Es sprechen der Herausgeber Alexander Sedlmaier (Bangor), Francisca de Haan (Wien) und Geoff Eley (Ann Arbor), moderiert wird die Veranstaltung von Freia Anders. Click here to join the MS Teams Meeting. Für weitere Informationen zum Buch bitte weiterlesen. Weiterlesen

Rezension: Karl Heinz Roth, Blinde Passagiere

Karl Heinz Roth hat mit Blinde Passagiere eine Untersuchung der COVID-19-Pandemie vorgelegt, die alles bisher zu diesem Thema Geschriebene in den Schatten stellt. Mit der ihm eigenen Gründlichkeit geht Roth den epidemiologischen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Aspekten der Pandemie nach und stellt dabei eine beeindruckende Fähigkeit zur Synthese enormer Datenmengen unter Beweis. Roth benennt die gesundheitspolitischen Versäumnisse, aufgrund derer das frühzeitige Eindämmen der Pandemie scheiterte, positioniert sich als Kritiker pauschaler Lockdowns und skizziert eine alternative, auf autoritäre Maßnahmen verzichtende Pandemie-Politik. Unser Rezensent Max Henninger würdigt Roths Leistung, fragt aber auch kritisch, inwiefern die in Blinde Passagiere formulierten Einschätzungen und Vorschläge dem Vergleich mit der seit Erscheinen des Buches sich abzeichnenden neuen Dynamik der Pandemie standhalten. Unsere Vorveröffentlichung aus Heft 31 findet sich hier.

Pandemie und Versagen – Podcast mit Karl-Heinz Roth

Unser Autor, der Mediziner und Historiker Karl-Heinz Roth – Mitbegründer der Vorläuferzeitschriften 1999 und Sozial.Geschichte – hat medico international ein Interview zu seinem neuen Buch „Blinde Passagiere – Die Corona-Krise und ihre Folgen“ gegeben. Im Gespräch mit dem Radiojournalisten Steen Thorsson und der Chefredakteurin des medico-Rundschreibens Katja Maurer legt Roth ausführlich und sehr differenziert die Fehler in der bisherigen Coronapolitik dar, geht dabei gleichermaßen auf medizinspezifische wie soziologisch-historische Probleme ein. Kritisch seziert der Autor die „Querdenker“ aber auch Philosophen wie Giorgio Agamben und entwickelt entlang der Problematik der diskutierten Impfpflicht eine massive Kritik an der herrschenden Politik im globalen Kapitalismus und den von ihm produzierten Ungleichheiten. Weiterlesen

Arbeit, Rassismus und Kämpfe der Migration

Das Buch „Grenzen aus Glas. Arbeit, Rassismus und Kämpfe der Migration in Deutschland“ unseres Redakteurs Peter Birke ist soeben im Mandelbaumverlag erschienen. Mit dem Online-Versandhandel und der Fleischindustrie fokussiert die Studie auf zwei Branchen, in denen überwiegend Menschen ohne deutschen Pass unter extrem ausbeuterischen und gesundheitsschädigenden Bedingungen arbeiten. Ausgehend von den konkreten Tätigkeiten und Handlungsbedingungen der Beschäftigten in den Betrieben analysiert Peter Birke den Zusammenhang zwischen Arbeitsverhältnissen, Rassismus und Kämpfen der Migration. Der Zeitraum der Untersuchung erstreckt sich von 2017 bis 2021 – in den Blick geraten somit eben jene Kämpfe, die der mit Ausbruch der Pandemie öffentlich wahrnehmbareren Kritik an den Missständen in diesen Branchen und den hierdurch ausgelösten Reformen vorausgingen. Weiterlesen