Ein nicht länger unterdrücktes und verdrängtes Kapitel der Heimgeschichte?

von Sylvia Wagner

Es überraschte sehr, welch ein Echo der Beitrag in Heft 19 der Sozial.Geschichte Online „Ein unterdrücktes und verdrängtes Kapitel der Heimgeschichte. Arzneimittelstudien an Heimkindern“ in den Medien, den Wissenschaften, der Politik und der Öffentlichkeit hervorgerufen hat. In den Jahren zuvor war bereits die physische, psychische und sexuelle Gewalt in den Einrichtungen bekannt geworden. Es war ruhiger um das Thema der ehemaligen Heimkinder geworden, bis mein Artikel über die medikamentöse Gewalt durch Arzneimittelstudien an ihnen diese breite Aufmerksamkeit erzeugte. Weiterlesen

Call for Papers: Arbeit und Migration

Hervorgehoben

Ein Aufruf zur Diskussion in Sozial.Geschichte Online

Nach dem „Sommer der Migration“ im Jahr 2015 hat es verschiedene Versuche der EU-Mitgliedsstaaten gegeben, das europäische Grenzregime zu erneuern. Zugleich wurde – unter den Bedingungen der Austeritätspolitik – der Versuch unternommen, Geflüchtete nach dem Gesichtspunkt der Verwertbarkeit ihrer Arbeitskraft zu sortieren. In der Folge kam es überall in Nordeuropa, und nicht zuletzt in der Bundesrepublik, zu einer verstärkten Verknüpfung von Aufenthaltsrechten, dem Paradigma der Aktivierung (durch Arbeit) sowie der Ausbeutung in Arbeitsverhältnissen. Weiterlesen

Tagungsankündigung: Soziale Kämpfe gegen Massenentlassungen und Betriebsschließungen in Ostdeutschland 1990 bis 1994

Vor 25 Jahren, am 20. Juni 1992, fand in der Berliner Kongresshalle am Alexanderplatz die 1. Konferenz Ostdeutscher und Berliner Betriebsräte und Personalräte statt. Sie wurde zum Ausgangspunkt des selbstorganisierten Versuchs eines Branchen und Regionen übergreifenden Widerstandes von Belegschaften in ganz Ostdeutschland gegen die von der Treuhandanstalt im Auftrag der Regierung Kohl durchgesetzte Politik der Privatisierung der ostdeutschen Wirtschaft. Der AK Geschichte der Sozialen Bewegungen Ost-West stellt in einer Tagung vom 23. bis 25. Juni 2017 in Berlin die Initiativen Ostdeutscher und Berliner Betriebsräte, Personalräte und Vertrauensleute vor und diskutiert diese anhand von Vorträgen, Analysen und Berichten von Zeitzeug/innen. Nähere Informationen zur Veranstaltung finden sich in der Einladung zur Konferenz.

Heft 20 ist erschienen

Das neue Heft der Sozial.Geschichte Online ist als PDF auf DuEPublico erschienen und kann dort kostenlos heruntergeladen werden. Es enthält Beiträge von Jon Lawrence, der die arbeitssoziologische Untersuchung The Affluent Worker (1968/69) einer kritischen Re-Analyse unterzieht, von Frido Wenten zu Gewerkschaftsreformen in China, von Ralf Hoffrogge über die Stellung der KPD-Linken zu Ruhrkampf und ihre Kritik am „Schlageter-Kurs“ von 1923, sowie von Gerhard Hanloser zu Olaf Kistenmachers Präsentation tatsächlicher und vermeintlicher antijüdischer Aussagen in der KPD-Tageszeitung Die Rote Fahne. Zwei Beiträge untersuchen den Zusammenhang von „Flüchtlingskrise“ und autoritärer Integration in der Bundesrepublik: Die Gruppe Blauer Montag (Hamburg) thematisieren die Reorganisation staatlicher Kontrollpolitiken im Umgang mit Geflüchteten, und die Basisdemokratische Linke Göttingen analysiert das „Integrationsgesetz“ als Mittel verbesserter Kontrolle und Verwertung migrantischer Arbeitskraft. Weiterlesen

Buchvorstellung: Reparationsschuld

Die Reparationsfrage ist nach wie vor ein brisantes und umstrittenes Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte. Während die großen Siegermächte in den ersten Nachkriegsjahren umfangreich entschädigt wurden, gingen die kleineren Länder Europas und zahlreiche Opfergruppen weitgehend leer aus. Zu ihnen gehörte auch Griechenland, das bis auf den heutigen Tag Entschädigungen für die Opfer der Massaker und die Ausplünderung seiner Volkswirtschaft einfordert. Einer umfassenden, alle ehemals besetzten Länder und alle Opfergruppen einschließenden Kriegsentschädigung hat sich die deutsche Machtelite bis heute verweigert. Karl Heinz Roth und Hartmut Rübner stellen ihr Buch Reparationsschuld. Hypotheken der deutschen Besatzungsherrschaft in Griechenland und Europa zur Diskussion: Donnerstag, 6. April 2017, 19.00 Uhr, DGB-Haus Berlin, Wilhelm-Leuschner-Saal, Keithstraße 1/3, 10787 Berlin. Weitere Informationen finden sich im Flyer

Debatte zu Eribons „Rückkehr nach Reims“

Didier Eribons Rückkehr nach Reims hat, mehrere Jahre nach der französischsprachigen Erstveröffentlichung, 2016 für viel Wirbel in der linksliberalen deutschen Öffentlichkeit gesorgt. Die Rezeption drehte sich allerdings vorrangig um die Frage, warum viele Arbeiter_innen rechte beziehungsweise „rechtspopulistische“ Parteien wählen. Dabei wurde nicht selten eine zentrale Botschaft des Buchs – die Kritik an der Abkehr von Klassenbegriffen – geradezu ins Gegenteil verkehrt. Peter Birke rekonstruiert den Debattenverlauf – und behauptet, dass Eribons autobiographische Erzählung tatsächlich eher Anlass sein sollte, die aktuelle Verfasstheit der bundesdeutschen Klassengesellschaft als bedeutendes Thema aufzugreifen. Peter Birkes Beitrag Abheben und Verschwinden. Die Debatte zu Eribons Rückkehr nach Reims wird in Heft 21 (2017) der Sozial.Geschichte Online erscheinen – hier unsere Vorveröffentlichung.

„Flüchtlingskrise“ und autoritäre Integration

Nach dem „Sommer der Migration“ hat es verschiedene Versuche der Staaten gegeben, das europäische Grenzregime zu erneuern. Zugleich wurde – unter den Bedingungen der Austeritätspolitik – der Versuch einer Sortierung der Geflüchteten nach dem Gesichtspunkt der Verwertbarkeit ihrer Arbeitskraft unternommen. Sozial.Geschichte Online will sich den daraus entstehenden Konflikten in der kommenden Zeit systematisch und regelmäßig widmen. Zum Auftakt dieser Reihe finden sich hier zwei Texte aus Heft 20 der Zeitschrift. Die Basisdemokratische Linke Göttingen diskutiert in ihrem Beitrag Arbeit um jeden Preis die arbeitspolitischen Wirkungen des Integrationsgesetzes und betont dabei vor allem die Notwendigkeit einer praktischen Kritik an dem entstehenden workfare-Regime. Die Hamburger Gruppe Blauer Montag diskutiert in ihrem Beitrag  „Flüchtlingskrise“ und autoritäre Integration die Folgen und Perspektiven der sogenannten Flüchtlingskrise des Jahres 2015, nicht zuletzt aus der Erkenntnis heraus, dass die bundesdeutsche Linke bislang kaum Alternativen zu der sich entwickelnden „autoritären Integration“ formuliert hat.