John Holloway: Freiheit, eine Reflexion

Der Terror der Ökonomie, der den Fortschritt kapitalistischer Entwicklung als unausweichlich ansieht, stellt durch gesellschaftliche Synthesis über die Produktion und den Austausch der Ware eine Totalität her. Diese Totalität, die Negation der Freiheit, aufzuheben, hat der orthodoxe Marxismus mittels Ersatz durch eine andere Totalität versucht. Die Ansätze des autonomen Marxismus setzten darauf, die Totalität selbst zu negieren, also die Befreiung von der Totalität mit dem Aufbau einer anderen Gesellschaft zu verbinden. Dabei nehmen manche dieser Strömungen, wie John Holloway in seinem Text aufzeigt, Bezug auf die Vorstellung, indigene Gesellschaften seien nicht in die Totalität eingebunden, was zu deren Romantisierung führt. Freiheit könne somit nur in der Enttotalisierung und der Schaffung einer Welt, in der viele Welten Platz haben, wirklich existieren. John Holloways Artikel „Freiheit, eine Reflexion“ ist kürzlich auf Spanisch in der neu gegründeten Zeitschrift Crítica Anticapitalista erschienen– wir danken dem Autor und Crítica Anticapitalista für die Genehmigung zum Abdruck dieses Artikels, der von unserem Redakteur Lars Stubbe übersetzt wurde und sich hier als Vorveröffentlichung aus Heft 37 zum kostenfreien Download findet.

Sonderheft mit Aufsätzen von Jacques Rancière ist erschienen

Mit dem Namen Jacques Rancière hat man im deutschen Sprachraum lange Zeit vor allem zweierlei verbunden: zum einen die für den akademischen Marxismus nicht nur der 1960er Jahre prägende Marx-Interpretation des Kreises um Louis Althusser; zum anderen die mit Begriffen wie „Streit“, „Anteil“ und „Polizei“ arbeitende Theorie politischer Subjektivierung, die Rancière dreißig Jahre später in Das Unvernehmen vorgelegt hat. Vergleichsweise wenig Beachtung haben bis vor Kurzem noch Arbeiten Rancières gefunden, die nicht nur chronologisch als Verbindungsstück zwischen Früh- und Spätwerk dienen können: jene von einer Kritik am akademischen Marxismus ausgehenden Untersuchungen der frühen französischen Arbeiterbewegung, die Rancière zwischen 1975 und 1980 in der von ihm mitgegründeten Zeitschrift Les Révoltes logiques veröffentlichte, und die ihren elaboriertesten Ausdruck in dem 1981 erschienenen Buch Die Nacht der Proletarier finden sollten. Für Leser*innen dieser Zeitschrift dürfte Rancières Verbindung von Sozialgeschichte und politischer Kritik von einigem Interesse sein. Dies hat uns motiviert, einige bereits seit Ende der 1970er Jahre zumeist an entlegener Stelle erschienene deutsche Übersetzungen der entsprechenden Aufsätze in diesem Sonderheft neu aufzulegen – erweitert um die Erstübersetzung eines zusammenfassenden Kommentars zur Nacht der Proletarier und eine von Rancière freundlicherweise beigesteuerte Einleitung. Die Sonderausgabe von Sozial.Geschichte Online ist auf den Seiten von DuEPublico als PDF veröffentlicht und kann dort kostenlos heruntergeladen werden.