Es war ein Protest gegen die Armut in Marokko: Am 30./31. Juli 2026 überwanden ungefähr 80.000 Menschen die Grenzen der spanischen Enklave Ceuta. Schätzungsweise 10.000 bis 15.000 Geflüchtete befinden sich noch in Ceuta, werden dort in einem rechtlosen Zustand festgehalten und sind mit massiver Gewalt konfrontiert. Europaweit regt sich nationalistischer Widerstand gegen humanitäre Antworten auf diese Misere. Von Aushungern über Schießbefehle an der Grenze bis hin zum Militärputsch – angesichts dieser Pogromstimmung scheint nichts mehr undenkbar. Zugleich erlebt Ceuta seit Ankunft der Geflüchteten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der auf ihrer Überausbeutung beruht.
In einer weiteren Vorveröffentlichung zu Heft 40 untersucht Helmut Dietrich diese Situation als ein in der EU bislang einzigartiges soziales Labor-Experiment und knüpft dabei an seine früheren Beiträge zur Jugendrevolte 2025 in Marokko, zu den Modernisierungsangriffen des marokkanischen Königshauses im Zuge des Afrika-Cups und zur geostrategischen Bedeutung der Seegebiete zwischen der westsaharischen Küste und den Kanarischen Inseln an. Der neue Text kann hier kostenlos heruntergeladen werden.