Die radikale Linke im roten Jahrzehnt. Bewegungsgeschichtliche Zugänge

Mit drei Veranstaltungen rund um Themen der Bewegungsgeschichtsschreibung der radikalen Linken möchten wir den Fokus sowohl auf ein zentrales Jahrzehnt in der Entwicklung der Linken in der Bundesrepublik als auch auf Fragen des historiografischen Zugangs legen. Eine Teilstudie einer Bewegung, ein autobiografischer Bericht und eine Argumentations- und Handlungsanalyse – alles rund um das rote Jahrzehnt – verdeutlichen dabei die Bandbreite. Wie lässt sich Geschichte schreiben, ohne die Widersprüche zu glätten, ohne von heutiger Warte vorschnell zu bewerten und ohne die uneingelösten Versprechen von Emanzipation und Befreiung zu verleugnen?
Veranstaltungsort: Karl Marx Buchhandlung, Jordanstr. 11, Frankfurt am Main

Mittwoch, 22. Mai, 20 Uhr
Sebastian Kasper
Spontis. Eine Geschichte antiautoritärer Linker im roten Jahrzehnt
Edition Assemblage, Münster 2019

Die Spontis sind den meisten heute allerhöchstens wegen ihrer Sprüche oder einiger prominenter Aktivisten bekannt. Dabei wird vergessen, welche Bedeutung sie in den Jahren nach dem Zerfall der 68er-Revolte für das folgende Jahrzehnt hatten und wie prägend sie für das linke Milieu bis heute sind. Das Buch beruht auf einer Promotion an der Freiburger Universität.
Moderation: Rolf Engelke

Donnerstag, 6. Juni, 20 Uhr
Lothar Binger
68. Selbstorganisiert und antiautoritär. Die Jahre 1968-1979
Selbstverlag, Berlin 2018

Binger hat eine politische Biografie vorgelegt. Die Underground-Zeitung Linkeck, die Kinderladenbewegung, Stadtteilarbeit in Kreuzberg, Hausbesetzungen, Jugendzentrumsbewegung, die Gruppe Undogmatischer Marxismus, das Info BUG (Berliner Undogmatischer Gruppen) – Stationen der radikalen Linken in Berlin und zugleich Lebensphasen Bingers.
Moderation: Freia Anders

Donnerstag, 11. Juli, 20 Uhr
Alexander Sedlmaier
Konsum und Gewalt. Radikaler Protest in der Bundesrepublik
Suhrkamp, Berlin 2018

Verstand die klassische marxistische Analyse die Produktion als die eigentliche Sphäre der Unterdrückung, so erschien ab 68ff. zunehmend der Konsum als Reich der Unfreiheit. Widerstand gegen den Konsumterror galt als legitim. Sedlmaier, Dozent für Modern History an der Universität Bangor/Wales, zeichnet die Entwicklung der Konsumkritik und damit auch der radikalen Linken in der Bundesrepublik nach.
Moderation: Gottfried Oy